- 88 -Fastenau, Volker: "...comme si on appuyait sur une sonette?" 
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Mutter verreist. Trotz des minutiös ausgearbeiteten Plan geht alles schief, und bevor der Sprengstoff gezündet werden kann, kommt Garvey zur Tür herein und berichtet vom Tod seiner Mutter. Gerührt durch die Anwesenheit seiner ›Freunde‹, hält der vom Saulus zum Paulus mutierte Geizhals ein Loblied auf die Freundschaft.

Den Ausschlag für dieses Projekt gab für Malle die Ortswahl des Mission Districts in San Francisco. Dieses etwas heruntergekommene Viertel faszinierte Malle vor allem wegen der ethnischen Vielfalt der Bevölkerung und der bunten Mischung aus Althippies, Aussteigern und Künstlern. Die dort herrschende hohe Arbeitslosigkeit geht mit einer hohen Kriminalitätsrate einher; ähnlich wie in Atlantic City, U.S.A. zeigt sich auch hier wieder die andere Seite des ›American Dream‹. Trotz dieser widrigen Umstände, oder wahrscheinlich gerade deshalb herrschen in diesem Viertel eine in Großstädten selten gewordene Gastfreundschaft und nachbarschaftliche Beziehungen zwischen den Bewohnern.226

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Vgl. Louis Malle zit. n. Prédal (1989), S. 144: »Chacun est une victime du chaos économique du début des années quatre-vingt, mais il y a une grande convivialité, le sentiment de former une communauté solide et originale. Dans le Mission District, le voisinage est une réalité vécue: tous les gens se connaissent et se parlent alors que c’est aujourd’hui devenu si rare dans les villes.« (»Jeder ist Opfer des Wirtschaftschaos Anfang der 80er-Jahre, aber es herrscht ein großes soziales Bewusstsein; das Gefühl, eine feste und originelle Gemeinschaft zu bilden.«)
Dieses Klima versuchte Malle in seinem Film darzustellen. Die Protagonisten haben klar definierte Profile: der arbeitslose und leicht arrogante Wachbeamte (Weslake), der junge Elektriker, der von einer Musikerkarriere träumt (Dillard), der farbige Zuhälter, der sich wegen seines Babys nicht um seine Prostituierten kümmern kann (Boardwalk), der sich illegal im Land aufhaltende mexikanische Kleinkriminelle (Ramon) und der ständig essende Träumer (Turtle).

Im Gegensatz zu den vorherigen Filmen dominiert nicht das dokumentarische Moment in der Darstellung; dafür wirkt die Handlung zu unrealistisch, was zweifellos auch durch das Genre der Komödie bedingt ist. Stilistisch betrachtet bemüht sich der Film – nicht zuletzt durch die Musik – um eine schwungvolle Darbietung, dennoch wirkt er an mehreren Stellen platt und konstruiert. So urteilte die internationale Kritik, sofern sie von dem Film überhaupt Notiz nahm, bis auf wenige Ausnahmen überwiegend negativ.227

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Vgl. Canby, Vincent: »Malle’s ›Crackers‹, With Donald Sutherland«. In: The New York Times 17. 2. 1984: »In every other way, the movie is a mistake.«; Schnelle, Josef: »Die Chaotenclique«. In: Film-Dienst 7 (03. 04. 84), Kritik Nr. 24486: »[. . . ] bemüht witzig, nur leidlich unterhaltsam, ohne Tiefgang und charakteristischen Stil«; zu den positiven Kritiken siehe Kimball, George Robert: »Crackers«. In: Films & Filming 364 (1/85), S. 35 und Geisler, Hartmut: »Die Chaotenclique«. In: Film-Echo/Filmwoche 13 (02. 03. 1984), S. 15

  Die Musik im Film

Wie oben bereits angedeutet, kann nicht geklärt werden, inwieweit Malle bei diesem Film Einfluss auf die Wahl der Musik bzw. des Komponisten hatte. Es ist jedoch anzunehmen, dass diese Aufgabe ebenso wie viele andere Arbeitsschritte des Films von der Produktionsfirma übernommen wurde. Genrebedingt erklingt relativ viel Musik (2773 Sekunden = ca. 51 %).


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