In dem Zitat ist unschwer der Autor Theodor Wiesengrund-Adorno zu erkennen, der diesen Ansatz später ausgeweitet hat. Bei den vier Untergangsnennungen zum vierten Satz ist einer eindeutig individualistisch [W33/E], zwei bleiben unklar [Wb21/D, Ka24/A]. Die vierte spricht davon, man lehre uns, daß Mahler im Finale seiner Symphonie eine »kosmischen Tragödie« voll von Schrecken und Vernichtung schildere, »den Untergang unserer Erde«, was aber jenseits des Vermögens und der Aufgabe der Instrumentalmusik liege [H21/D]. Specht sprach 1913 von Finale als einem »kosmischem Drama«23
Man muß einräumen, daß die Idee des Untergangs mit 19,05 % Nennungen allein zu wenig mit dem Werk in Verbindung gebracht wurde, als daß man sie als ein zentrales Wahrnehmungsmoment erfassen kann. Erst gemeinsam mit einigen anderen, häufig genannten Momenten wird daraus ein breiter ausgelegtes Wahrnehmungsfeld, das die Rezeption der Symphonie widerspiegelt. In der inhaltlichen Nähe der Kategorie Untergang, Vernichtung liegt die Kategorie Zerstörung. Das obige Zitat W33/F führt schon beide Kategorien zusammen. Weitere Wahrnehmungen von Zerstörung lauten: »Jedes Aufgebot an Energie zerschellt hier« [B20/B] »das Finale, in welchem die tragischen Lebensgewalten zu siegreicher zermalmender Auswirkung gelangen.« [Wb21/C] »Zusammenprall zweier Weltkörper, das Ende eines Sterns« [H21/D] »von den Bitternissen und Härten, von der niederschmetternden Resignation des letzten Satzes, der wie ein Zusammenbruch unter der grausigen Wirkung der Hammerschläge wirkt [...] Im Gegensatz zu der sonst üblichen Folge bringt es nicht den Sieg, die Überwindung, sondern den Niederbruch.« [Ka24/A] »zermalmende Schläge des symbolhaften Hammers« [F26/B] »aber wenn der Riese kommt, der sie zertrampelt, oder wenn das Finale, diese apokalyptische Sinfonie für sich, zum Klang wird[,] zerreißt der Kontakt mit dem Menschsein.« [K27/A]
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