- 117 -Kinzler, Hartmuth (Hrsg.): Theorie und Praxis der Musik 
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Viertel – klanglich deutlicher zum Tragen kommt. (Immerhin: die Figurationen der linken Hand sind in Takt 80 f. gegenüber den ganzen 12 vorhergehenden Takten in der Reihenfolge geändert; sie ergeben, was auch Motivation gewesen sein könnte, mit den Tönen auf dem jeweils zweiten Schlag einer Takthälfte eine interessante chromatische Linie e1-e1-es1-d1, die in Takt 82 ihren Zielton im Schlußton es1 der dortigen Begleitfigur findet.) Wie dem auch sei, auffällig ist, daß die konkrete rhythmische und tonhöhenmäßige Ausführung der Melodietöne der zweiten Takthälfte von Takt 81 in Korrespondenz zu den folgenden Takten gestaltet ist: durch die bereits erwähnte bogenmäßige und mit Anfangsakzent versehen Abtrennung entsteht eine auftaktige Phrase – 5. und 6. Zählzeit, bestehend aus kleinen Noten und verbunden mit einer sehr langen Note auf der Eins des Folgetaktes –, die der Melodiegestaltung Takt 82 f. und den folgenden korrespondiert; im Unterschied zu Takt 75 wird auf der 6. Schlagzeit von Takt 81 eine zweite Triolengruppe eingeführt, die mit der entsprechenden Triolengruppe des folgenden und der anschließenden Takte übereinstimmt; die eigentlichen Triolen sind leitermäßige Terzausfüllungen (3-2-1 in Takt 81 resp. 7-6-5 in Takt 82; daß die eine Tonfolge eine direkte tonhöhenmäßige Fortsetzung der anderen ist, scheint wohl eine Beziehung zu sein, die nicht zum Hören bestimmt ist).


Zum Abschluß noch einen Blick auf die Korrespondenzstelle Takt 179 sub specie der Zuordnung zu den beiden alternativen Grundmotivausformungen. Auch hier Erstaunliches: das in den beiden vorherigen Takten begonnene Oktavenunisono der rechten Hand wird in der zweiten Hälfte zugunsten einer unterschiedlichen Gestaltung von Ober- und Unterstimme aufgegeben. Die Oberstimme entspricht im wesentlichen derjenigen von Takt 81, die untere hingegen erfährt keine regelhafte unmittelbare Abwärtsführung der Dominantsexte, diese wird vielmehr stufenweise um eine Terz aufwärts und anschließend wieder abwärts geführt. Resultat: die stufenweise Abwärtsführung 3-2-1 der Melodie erfährt eine Untersextverdoppelung 5-4-3 (mit vorhergehender sukzessiver Doppelung eben dieser Folge im „Krebs“ 3-4-5); und damit dieser ganze Vorgang nicht unter den Tisch einer Sextenverschmelzung fällt, ist die Unterstimme in eine Quartolenkonstruktion eingebettet, die so die intrikateste Rhythmik der ganzen Ballade bildet. Und ein letztes: fast wie zum Ausgleich, daß hier nun massiert das Motiv des folgenden Abschnittes antizipiert ist, erscheint ebendort auch noch ein dritte Stimme in der rechten Hand (bestehend aus den beiden d2), die mit der obersten zusammen (bestehend aus den Tönen g2) – deutlich als Rückgriff auch klanglich erkennbar – das charakteristische Merkmal des Seitensatzes bildet: eine Quarte in der originalen Tonhöhenkonstellation Dominantensexte (anstelle der Quinte) über der Dominantterz, wodurch zudem – im Zusammenhang mit dem weiter oben erwähnten Wegfall des ersten Akkordes des Seitensatzes – eine direkte Entsprechung von Anfang und Schluß des Formabschnittes entsteht: Takt 166, zweite Hälfte, um eine Oktave höher versetzt, gleicht Takt 179, zweite Hälfte.



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