Musikclips, Tierrechte und Ästhetik: Sepultura – » Convicted in Life « 71 verbunden sind. Der Songtext selbst enthält keinen expliziten Bezug auf Tierrechte. Gleiches gilt für den Text des Songs » King Rat « (2009) der Band Modest Mouse. Das dazugehörige Video, das von Heath Ledger konzipiert, wegen seines Todes aber nicht von ihm vollendet wurde, ist ein Animationsflm, der Wale zeigt, die schwim-mende Menschen im Meer nach der Art von Walfängern mit Harpunen jagen, an Bord ihres Schiffes erschlagen und häuten. Die gefangenen Menschen werden da-nach maschinell zu Futter weiterverarbeitet, welches die Wale an ihre Haustiersee-hunde verfüttern. Die Einnahmen aus den Downloads des Videos im ersten Monat nach der Veröffentlichung bei iTunes wurden an die Sea Shepherd Conservation So-ciety gespendet.3 Es soll hier keinesfalls behauptet werden, dass in diesen beiden Clips die oben beschriebenen werbenden Funktionen aufgehoben wären, vielmehr ist eine zusätzliche Funktion eingefochten, nämlich die der politischen Einfussnah-me oder Meinungsbildung.Maßgeblichen Tierrechtsaktivismus gibt es vor allem auch in diversen Punk- und Hardcoreszenen, in der sogenannten DIY- sowie in der Straight Edge-Szene teilweise seit den frühen 1980er Jahren, mit prominenten Bands wie Confict, Crass oder Youth of Today. Mittlerweile ist aber auch im Metal, maßgeblich im von Punk und Hardcore beeinfussten Subgenre Metalcore, ein Trend zu Engagement für Tier-rechte festzustellen, wobei auch hier wieder PETA sehr aktiv ist (vgl. Springorum 2011, S. 19–20). Die erfolgreiche Band Arch Enemy hat gemeinsam mit PETA2 bei-spielsweise ein T-Shirt mit dem aufgedruckten Slogan » Liberate the Innocent « her-ausgebracht, Musiker von War from a Harlots Mouth, Heaven Shall Burn und Myra treten in einem Werbevideo derselben Organisation auf und Mitglieder zahlreicher Metal-Bands, darunter Amon Amarth, Motörhead und Hammerfall, posierten mit ihren Haustieren für einen Benefzkalender der schwedischen Tierrechtsgruppe Dju-rens Rätt.4 Zu dem Song » Animal Holocaust « produzierte die Death Metal-Band Debauchery einen Musikclip, der Ausschnitte aus PETA-Videos über Schlachthöfe verwendet (allerdings ohne näher mit der Organisation zu kooperieren), ferner wird in dem Video ein Metzger, der Kuscheltiere schlachtet, von einem kleinen Mädchen mit einem Fleischermesser getötet (vgl. Gerber 2011). In diesem Artikel sollen am Beispiel des Songs bzw. Musikclips » Convicted in Life « der Metal-Band Sepultura verschiedene Themen aus dem Spannungsfeld Pop-kultur – Tierrechte – Musikclips diskutiert werden. Das Ziel ist dabei keine kriti-sche, analytisch informierte Interpretation des Songs oder des Clips als solchem,5 die Untersuchung zielt vielmehr auf ein Verständnis der Funktion des Clips als Me-dium politischer Meinungsbildung und der ästhetischen Implikationen, die diese Funktion für das Musikvideo hat. Ästhetik wird hier im Doppelsinn von Produk-tions- und Rezeptionsästhetik verstanden.3 Vgl. http://www.seashepherd.org/news-and-media/2009/08/04/king-rat-modest-mouse-video-directed-by-heath-ledger-supports-sea-shepherd-305, 17.01.2012.4 Vgl. http://www.peta2.de/de/archenemyshirt.1066.html; http://www.darum-bin-ich-vegan.de/; http://legacy.roadrunnerrecords.com/blabbermouth.net/news.aspx mode=Article&newsitemID=130499, 21.02.2012.5 Ein Beispiel für einen solchen Zugang ist Nicholas Cooks (1998) Analyse des Madonnas Songs » Mate-rial Girl « (vgl. S. 147–173).