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definieren die Autoren dort Acid-House schlichterweise als Acid-Klang mit
House-Rhythmen.
Auch Achterknecht betont durch Mehrfachnennung des Roland-Synthesizers
die »Acid-Line« als entscheidendes Element: »Sound: 303 303 303 303 303«,
30 fasst er
die charakteristischste Komponente von Acid zusammen. Dieser Eigenschaft muss man
dem Autor zufolge ein Tempo zwischen 130 und 150 bpm, lautes Schlagzeug und betonte
HiHats hinzufügen. Bei Achterknecht finden sich erste Erläuterungen zur formalen
Struktur eines Acid-Stücks, die demnach transparent und sehr einfach zu erkennen ist als
»ein Anfang mit Aufbau, Steigerung der Intensität bis zum Break, weiterer
Aufbau«.31
Die 303-Sequenzen bilden durch den gesamten Track eine schlingernde Linie. Sie sind
bekannt als Acidline.
Obwohl Wildermann32 |
32 Wildermann. Acid. A.a.O., S. 91.
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in der gleichen Veröffentlichung immer wieder die Verwendung des 303-Sounds als
prägendes Element herausarbeitet, resümiert er, dass es bei Acid im Eigentlichen darum
gehe, bestimmte klanglich irritierende Stimmungen zu erzeugen. Außerdem stünde der
Musiker und nicht die 303 im Mittelpunkt: Er setze die entscheidenden Akzente. Die
hervorgehobene Bedeutung des Modulationssounds der 303 sieht er durch die seit einiger
Zeit auf dem Markt existierenden Nachbauten (sog. Clones) relativiert, denn mit ihnen
kann ein ähnlicher Sound hergestellt werden. Zudem verfügen manche Clones über mehr
und andere Funktionen als die 303.
DJ Pierre, als ursprünglicher Erfinder des Acid-Sounds bekannt, prägte ab 1993 einen
neuen Begriff für den Musikstil, den er als ›Wild-Pitch-Sound‹ bezeichnet, dem (ebenso
wie Acid) sehr ausgiebige, filterbetonte Klangstrukturen und langsam aufsteigende
Modulationen zugrunde liegen.
Die Suche nach Worten für den beißenden ›Blubber- bzw. Zwitscher-Sound‹
erschließt sich wie folgt: Besonders beim lauten Hören von Acid-House fällt
auf, dass sich die parallel liegenden Klänge einer Acidline ziemlich reiben
und die Sounds so gefiltert sind, dass im Ohr eine Art ›Blubbern‹ oder
›Zwitschern‹33 |
33 Siehe hier nochmals Kapitel 5.2.
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entsteht.
Aus den Veröffentlichungen und subjektiven Höreindrücken der Autorin erschließen
sich folgende tragende Elemente von Acid:
- Das Tempo liegt zwischen 130 und 150 bpm.
- Die Rhythmik zeichnet sich durch ein »gerades und hartes« viertaktiges Schema aus.
- Elementarer Klang/Sound ist der von der ROLAND TB 303 Bass Line (oder
clone34
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34 Beispiele für Nachbauten: LB 303, Clone 3, Deep Bass Nine.
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)
erzeugte »säureartige« Sound, der durchweg moduliert wird (erzeugt im Ohr ein
›Blubbern‹).
- Als besondere Merkmale gelten die betonten HiHats und die laute Bassdrum.
8.3.1. Analytische Skizze eines exemplarischen Acid-Tracks
Das als Acid-Track angelegte Klangbeispiel (CD Track No. 06) kann trotz seiner Kürze
kaum authentischer sein. Im sehr transparent-minimalistischen Aufbau
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