- 94 -Fastenau, Volker: "...comme si on appuyait sur une sonette?" 
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Wohnung unter jener Fensterfront befindet. Die Gauner liegen wie gebannt auf dem Glas und sehen, wie der Künstler seine skurrile Lichtspielmaschine vorführt, während Maxine nur daran interessiert ist, ihn auszuziehen. Nach ihren Worten: »You’re gonna tell me everything about your mother. Now put the music on!« setzt die ›Miniatur-Ouvertüre‹ der Suite ein, welche schließlich vom ›Tanz der Zuckerfee‹ abgelöst wird. Während der Ouvertüre zeigt die Kamera die Gauner auf der Fensterfront, die halb interessiert, halb belustigt die Vorgängen unter sich verfolgen. Beim Überfaden zum ›Tanz der Zuckerfee‹ erblickt der Filmbetrachter Maxine, die sich nun zum Tanzen animiert fühlt und den entlarvenden Ausspruch »This is one of my favourite pieces of music. What is it?« tätigt. Nach ihrem anschließenden grotesken Striptease – ihre Interpretation des Tanzes der Zuckerfee – macht sie das Licht aus, womit auch die Musik endet.

Die Komik dieser Szene entsteht durch das Zusammenspiel von den Lichteffekten des Kunstwerks und den glockenartigen Klängen der Celesta, was eine Atmosphäre kreiert, die an bestimmte Szenen von Zazie erinnert. Zu dieser surrealistischen Szenerie kommt noch die Präsenz der Einbrecher auf dem Glasdach hinzu, wobei Weslake begreifen muss, dass Maxine nicht nur ihn als Liebhaber hat. Es wird deutlich, dass Maxine nur vorgibt, diese Musik zu mögen, um dem Künstler zu schmeicheln, jedoch nicht die geringste Ahnung hat, was sie gerade hört. Der Künstler wird seinerseits persifliert, indem er unter einem Ödipuskomplex zu leiden scheint und – im Gegensatz zu dem, was bei seinem extravaganten Kunstwerk zu erwarten wäre – triviale Populärklassik bevorzugt. Insgesamt fällt jedoch mehr die surrealistische Gesamtanordnung der Szene als jene Ironie auf musikalischer Ebene ins Auge.

Takes im On

Auf die Alarmanlage und die Barmusik, sowie der Hintergrundsmusik in Take 16 muss an dieser Stelle nicht detailliert eingegangen werden; diese Ausschnitte dienen lediglich der Authentisierung der Szenen bzw. einer atmosphärischen Untermalung.

  Fazit

Es ist dem Film Crackers deutlich anzumerken, dass Malle bei der Entstehung des Films und bei den Dreharbeiten nicht die für ihn gewohnte Entscheidungsfreiheit besaß. Dieses spiegelt sich auch in der Musikdramaturgie wider. Anders als bei früheren Filmen wie Atlantic City, U.S.A. oder Pretty Baby dominiert nicht die musikalische Dokumentarästhetik, sondern eine relativ konventionelle Filmmusikdramaturgie, die sich in der Verwendung von mehreren Motiven niederschlägt, die allesamt aus dem Off erklingen. Dadurch verleihen sie dem Film einen stark fiktionalen Charakter, da lediglich 17 von 42 Takes im On montiert werden. Die Themen, die Paul Chihara für den Film verwendet, sind größtenteils typische Beispiele für plakative Spannungs- und Emotionsdramaturgie, bleiben den Beweis einer gewissen Eigenständigkeit jedoch weitgehend schuldig.

Auch die verschiedenen Popsongs, die montiert werden, scheinen austauschbar. Im Gegensatz zur Vorgehensweise in Atlantic City, U.S.A. werden die einzelnen


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