- 49 -Hanheide, Stefan: Mahlers Visionen vom Untergang 
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konservativer Seite stark angefochten. Wie Paul Stefan berichtet, war Hauptmanns 1892 uraufgeführtes Drama Die Weber 1903 in Österreich verboten. In der Saison 1904/05 wurde es gespielt, aber die Worte »Fabrikant« und »Gendarm« durften immer noch nicht ausgesprochen werden. Das Schauspiel Rose Bernd, zu dessen Erstaufführung am 11. Februar 1904 Hauptmann nach Wien gekommen war, habe einer Erzherzogin mißfallen, worauf es nicht mehr gegeben wurde.173
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Paul Stefan, Das Grab in Wien, Berlin 1913, S. 29f, 45.
Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch die von der Zensur 1907 verhinderte Aufführung von Richard StraussSalomé, für die Mahler sich massiv eingesetzt hatte.

Mahler äußerte sich in seinem zweiten Brief an Hauptmann besonders positiv über dessen 1896 uraufgeführtes Drama Florian Geyer:

»Einmal war ich nahe daran, Dir mein Herz auszuschütten, welches voll von deinem Florian Geyer war, den ich damals erst kennengelernt. Von Deinen Werken giebt es Keines, welches ich höher – ja vielleicht überhaupt so hoch stelle. Diese Art, das Leben künstlerisch zu reproduciren scheint mir neu und bezeichnet vielleicht eine zukünftigere höhere Stufe des Dramas. Du kamst mir vor wie Faust im ›Puppenstand‹ – schon in höherer Leiblichkeit – und doch noch tastend – wachsend.«

Das Drama handelt in den Bauernkriegen und verknüpft soziale, politische und religiöse Fragen. Es thematisiert die gescheiterte Befreiung der Bauern aus der Knechtschaft des Adels, in deren Verlauf ihr Anführer und Idol Florian Geyer hinterrücks erschossen wird.

Ein weiteres Treffen fand im Januar in Berlin statt, wo »das liebe Gesicht Hauptmanns ein wenig die entsetzliche Ödigkeit erhellte, in die mich die Stunde bei Strauss gestürzt hat«.174

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Mahler, Briefe an Alma, S. 306.
Mahler berichtet weiter an Alma, daß er auf Hauptmanns Bitten dessen Stück Friedensfest (1890) besucht habe. Er charakterisiert es als ein »schrecklich realistisches Ding«, worüber er mit Hauptmann aber gesprochen habe.175
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Ebd. S. 309f.
Das Stück thematisiert den gescheiterten Versuch, am Weihnachtsfest eine zerstrittene Familie zu versöhnen.

Bei jenem Besuch in Berlin sah Mahler auch Frank Wedekinds Frühlings Erwachen, worüber er sich ausgesprochen positiv äußerte.176

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Mahler, Briefe an Alma, S. 325.
Insgesamt zeigt die Begegnung mit Hauptmann, daß Mahler die Gedanken und Produktionen des zu jener Zeit fortschrittlichen Dramatikers sehr interessiert aber ebenso kritisch verfolgte und sich daran bereicherte.

Beziehung IV: Alphons Diepenbrock

Obwohl es Willem Mengelberg ist, dem das entscheidende Verdienst für die zahlreichen frühen Mahler-Aufführungen in Holland zukommt, so war die interessanteste Figur für Mahler während seiner Reise nach Holland nicht er, sondern Alphons Diepenbrock. In Mengelberg und dessen Frau sah er herzliche, einfache, anspruchslose, ungemein verläßliche Menschen, deren – manchmal fast zu aufdringliche – Gastfreundschaft er schätzte. Der Dirigent war ihm ein »famoser Kerl«, der einzige,


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