- 49 -Klages, Thorsten: Medium und Form - Musik in den (Re- )Produktionsmedien 
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kombiniert eine Vielzahl von Unterscheidungen«.103
103 Luhmann (1990c, S. 16).
In der Musik lassen sich z.B. gleichzeitig/nicht gleichzeitig, laut/leise, Nahwirkung/Fernwirkung von verschiedenen Tönen oder Tonfolgen oder das Vorher und Nachher eines Akkordes oder, wie es in Abschnitt 3.1 ausgeführt werden soll, medial und nicht-medial unterscheiden. Unterscheidungen – und das gilt für die Rezeption und die Produktion von Kunst gleichermaßen – werden immer in Relation zu Systemen, von beobachtenden Systemen sequentiell und rekursiv erschlossen bzw. konstruiert:

»[...] die Betrachtung erschließt das Kunstwerk temporal, also im schrittweisen Aktualisieren von Referenzen im Kontext von dadurch jeweils verschobenen Unterscheidungen.«104

104 KdG (S. 38).

Kunstwerke sind vieldeutig und immer schon »offen«105

105 Eco (1973).
und damit nicht als eine abgeschlossene Einheit im Schema von Ganzem und Teilen analysierbar.

»Für die Kommunikation von Kunst kommt hinzu, daß sie gar nicht auf eine Automatik des Verstehens abzielt, sondern inhärent vieldeutig angelegt ist (die Semiologen sprechen von polysémie), und dies unabhängig davon, ob die Divergenz der Betrachtungsmöglichkeiten eingeplant war im Sinne eines ›offenen Kunstwerks‹ oder nicht. [...] Offenbar sucht die Kunst ein anderes, nichtnormales, irritierendes Verhältnis von Wahrnehmung und Kommunikation und allein das wird kommuniziert.«106

106 KdG (S. 72).

Kunstwerke setzen sich gegen die Unwahrscheinlichkeit ihres Formenarrangements in der Kommunikation durch. Sie erzeugen Aufmerksamkeit durch Irritation.

3.3.2.1 Exkurs: Schön/häßlich – der Code des Kunstsystems

Es ist noch nichts darüber gesagt, wie die Differenz von System und Umwelt produziert und laufend reproduziert wird, wie ein System sich von einem anderen System unterscheiden läßt. Luhmann führt hier eine Leitdifferenz, einen Code ein, der unter Ausschluß einer dritten Möglichkeit einen positiven und einen negativen Wert fixiert. Dieser orthodox107

107 Zugunsten einer eindeutigen Markierung der Systemgrenzen hält Luhmann strikt an dem Konzept der binären Codierung fest. Dies trägt seiner Theorie die Kritik einer Tilgung von Ambivalenzen ein. Vgl. Weber (1999); Siegfried J. Schmidt prognostiziert, daß durch die sich heute vollziehende »Mediensozialistation« der jüngeren Generationen die strikte Dichotomie z.B. in wahr/falsch, real/irreal für die Konzeption zukünftiger Wirklichkeitsmodelle immer weniger relevant sein wird, wie das bei Printsozialisierten der Fall ist. Vgl. Schmidt (1993, S. 35).
binär angelegte Code nimmt eine funktionale Differenzierung vor, als Ausdifferenzierung des Systems der Gesellschaft in ungleiche Teilsysteme, die sich durch ihren Funktionsbezug zum Gesamtsystem unterscheiden, etwa Wissenschaft, Recht, Wirtschaft, Politik, Massenmedien oder Kunst. Diese Teilsysteme sind binär codiert, d.h. es gibt eine Leitunterscheidung, welche die Grenze zwischen System und Umwelt markiert: wahr/unwahr (Wissenschaft), Recht/Unrecht (Recht), zahlen/nicht zahlen (Wirtschaft), Regierung/Opposition

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