(Politik),
Information/Nicht Information (Massenmedien) und im Falle der Kunst ambivalenter:
schön/häßlich.108|
108 »Diese Semantik darf aber nicht so verstanden werden, als ob es um ›schöne
Gestalten‹,
›schöne Klänge‹ oder sonstige schöne Einzelformen gehe. Sie bringt, wenn man sie
überhaupt beibehalten will, nichts anderes zum Ausdruck, als ein zusammenfassendes
Urteil über stimmig/unstimmig unter der Zusatzbedingung hoher Komplexität, also
selbsterzeugter Schwierigkeiten.« KdG (S. 317).
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Codes funktionieren, indem sie besondere Beobachtungsräume eröffnen, in denen die
jeweiligen Teilsysteme Formen ausbilden können. In der Kunstbeobachtung entsteht der
Code und wird gleichzeitig zur Orientierung für Entscheidungen auf der operativen
Ebene der Autopoiesis eingesetzt.
»Jede Operation, sei es ein Beobachten des Künstlers, sei es ein Beobachten
des Betrachters, muß ja mit Bezug auf eine bestimmte Form entscheiden,
ob sie paßt oder nicht paßt; ob sie sich in das entstehende Werk (bzw.
in das Werk, das man zu betrachten beginnt) anschlußfähig einfügt oder
nicht. Jede Beobachtung versetzt das bezeichnete Detail in das rekursive
Netzwerk anderer Unterscheidungen und beurteilt von da her am Detail
Gelingen oder Mißlingen, besonders überzeugende Lösungen, unmittelbar
verständliche Festlegungen auf der einen und Fragwürdiges, Ergänzungsbedürftiges
oder schließlich Korrekturbedürftiges auf der anderen Seite.«109
»Nicht die Qualitäten der Kunstwerke wirken demnach auf den Betrachter,
sondern ihre Selektivität; nicht die Besonderheit der Qualität, ihre Höhenlage
auf einer Skala der Perfektion macht die Schönheit aus, sondern die Steuerung
der Selektion im Hinblick auf einen eigenen Selektionsraum [...].«110 |
110 Vgl. Luhmann (1981, S. 248).
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Wenn man sich fragt, was »schön« ist oder was
›Schönheit‹ bedeutet, zeigt sich, daß die
Luhmannsche Leitdifferenz diskursiv angelegt ist. Es ist damit auszuschließen, daß die
Leitdifferenz eine teleologische Strukturierung aller Operationen des Kunstsystems leisten
könnte.111 |
111 »Die Differenzierung von Variation und Selektion setzt eine evolutionäre Dynamik
in
Gang, die sich jeder Gesamtplanung und jeder Steuerung im Hinblick auf ein Fernziel der
idealen Perfektion entzieht.« Luhmann (1993, S. 225).
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Aus heutiger Sicht erscheint zudem die Idee des Schönen zutiefst ambivalent. Sie
hatte gemäß Luhmann (in dekonstruktivistischer Manier) in der Vergangenheit
lediglich die Funktion, ihre eigene Paradoxie zu verdecken. Der Code des
Kunstsystems garantiert weder ein Gefallen des einzelnen Kunstwerkes noch
liefert er eine Bauanleitung für gefällige Kunst. Schönheit ist im Kontext der
Systemtheorie auch nicht die Eigenschaft eines Objekts oder überhaupt inhaltlich
bestimmbar.112|
112 Zum Schönheitsbegriff vgl. KdG (S. 310ff).
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Die ›richtige‹ Wahl ›schön‹ oder ›häßlich‹ wird erst durch
systeminterne Programme
angeleitet. Während der Code das System nach außen hin schließt, die Grenze zwischen
System und Umwelt zieht, wird das System durch Programme wieder geöffnet. Erst
Programme liefern die Bedingungen oder Kriterien, nach denen die eine oder die andere
Seite des Codes Kunst/Nicht Kunst bzw. schön/häßlich gewählt wird. Mit Programmen
entscheidet das System über die Zuweisung von Codewerten. In der Wissenschaft etwa
gelten Theorien als Programme, die über wahr oder unwahr entscheiden. Für das
Kunstsystem gilt, daß es keinen Essenzkosmos garantierter Wesensformen (mehr) gibt,
der sich in einem Katalog
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