3.3.3.2 Form
Der Begriff Form ist ein Konstituent auch in ganz anderen Kontexten als in der
Systemtheorie: Z.B. in der traditionellen Musikanalyse, die sich dem Erkennen des
»Sinngefüges«125 |
125 Eggebrecht (1979, S. 20).
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und der »Interpretation musikalischer
Gehalte«126
verschrieben hat, wird Form in ein Schema von Teilen, die in Funktion des Ganzen stehen,
integriert.127|
127 »Musikalische Form – die fertige Gestalt eines Gedankens, eines Teilstücks, eines ganzen
Satzes oder einer Satzfolge – setzt den gestaltenden Akt des Formens voraus.
Erst bewußte Formgebung macht aus einer Folge von Tönen verschiedenartige,
sinnerfüllte Äußerungen, schafft Verbindungen zwischen Teilen oder läßt sie hart
gegeneinander stehen [...].« Kühn (1989, S. 13). Eine vergleichende Untersuchung
der Formenlehre und des Formbegriffs in den Musikwissenschaften und des
Formbegriffs bei Niklas Luhmann liegt außerhalb der thematischen Zielsetzung dieses
Textes und bleibt hier daher unbehandelt. Zur Einführung in die Themen Form
und Formenlehre in der Musik siehe u.a.: Kühn (1995); Dahlhaus; Eggebrecht
(1989).
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Vergleichbare Vorstellungen von Identität und festgeschriebenen Sinngehalten, wie sie auch in
den Mustern Geist/Materie, Form/Inhalt vorausgesetzt werden, möchte Luhmann durch sein
differenztheoretisches Konzept überwinden. Materialität wird von Luhamnn dementsprechend
exkludiert.128|
128 Vgl. Spielmann (1998, S. 38).
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Joachim Paech reformuliert Luhmanns Verständnis von Materialität und Medientechnik
insofern, als für Paech auch das jeweils verwendete Material einen (beobachtbaren)
Unterschied als Form der Unterscheidung macht. Einfacher ausgedrückt: es
macht heute einen Unterschied, ob z.B. in einer Musikproduktion das technische
Aufzeichnungmedium Vinyl, Tonband, Sampler oder Hard-Disc gewählt wird.
Der Begriff Form, so wie Luhmann und Paech in gebrauchen, verweist zum einen auf
die Unterscheidung Medium und Form und zum anderen auf die Kalküle der Form bei
Spencer-Brown. In Bezug auf Medium und Form läßt sich Form als Verdichtung oder auch
strikte Kopplung von Elementen eines Mediums fassen. Mit anderen Worten: Während
»Medium« als Fall loser Kopplung von Elementen bestimmt ist, als »eine offene
Mehrheit möglicher Verbindungen, die mit der Einheit eines Elements noch kompatibel
sind«129 ,
ist »Form« im Gegensatz dazu als bestimmte, beobachtbare Selektion, angelegt:
»Formen entstehen [...] durch Verdichtungen von Abhängigkeitsverhältnissen
zwischen Elementen, also durch Selektion aus Möglichkeiten, die ein Medium
bietet. Die lose Kopplung und leichte Trennbarkeit der Elemente des Mediums
erklärt, daß man nicht das Medium selbst wahrnimmt, sondern die Form, die
die Elemente des Mediums koordiniert.«130 |
130 Luhmann (1986, S. 7).
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Die Dimension der Kopplung oder Verknüpfung von Elementen durch die Form
ist relativ und kann von hoher Elastizität bis zu Rigidität reichen. Luhmann
unterscheidet zwischen physischen und soziokulturellen Formen. Er geht
aus von einer Evolution physischer Formenbildung (in den Medien Licht,
Luft, etc.), »die sich als Medium für distanzüberwindende Wahrnehmung
eignen,«131
und einer Evolution soziokultureller Formenbildung (z.B. in den Medien Sprache,
Schrift und in
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