- 27 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
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4.  Funktionelle Musik – Hintergrundmusik – »Environmental Music«

4.1.  Definitionsproblematik

Die Frage, ob Musik grundsätzlich bestimmte Funktionen erfüllt, ist abhängig von der zugrunde liegenden Vorstellung des Gegenstandes »Musik«. Aus soziologischer und psychologischer Perspektive steht eine Funktionsgebundenheit nicht in Frage. Das hat damit zu tun, dass ihr zwangsläufig Handlungen zugrunde liegen: sie komponiert sich nicht von selbst, erklingt nicht von selbst und rezipiert sich auch nicht selbst. Der Soziologe Max Weber hat 1921 vier idealtypische Funktionsbereiche von Musik benannt: (1) zweckrationale Funktionen (politisch, wirtschaftlich oder erzieherisch ausgerichtet), (2) traditionale Funktionen (rituell, geschichtsbezogen, überliefernd), (3) wertrationale Funktionen (gute-schlechte, schöne-unschöne Musik) und (4) affektbestimmte/emotionale Funktionen (psychische Resonanz, Projektion oder Abreaktion von Stimmungen und Gefühlen).1

1
Vgl. Weber (1921).
Helmut Rösing präsentiert einen »Katalog« von möglichen zeitgenössischen Funktionen von Musik, der in zwei idealtypisch strukturierte Hauptbereiche unterteilt ist: einen gesellschaftlich-kommunikativen Bereich und einen individuell-psychischen Bereich.2
2
Vgl. Rösing (1997), Sonderfall Abendland, 77f.
Beiden ordnet er eine Reihe von Teilfunktionen zu (siehe folgende Tabelle).

Alle aufgelisteten Teilfunktionen können sich ergänzen und überlagern. Ästhetische Produktions- und Aneignungsweisen von Musik fallen in dieser Aufstellung übrigens in die linke Spalte, spielen bei einer Reihe von Teilfunktionen eine Rolle (besonders bei den erzieherischen, gesellschaftskritischen, Verständigungs- und Selbstverwirklichungsfunktionen) und werden somit von Rösing als kommunikativer Akt begriffen. Während die gesellschaftlich-kommunikativen Funktionen stark auf den jeweiligen Kontext verweisen, in dem die Musik erklingt, orientieren sich die individuell-psychischen Funktionen am rezipierenden Subjekt, »z. B. durch Assoziationen und Imaginationen im Hinblick auf die eigene psychische Bedürfnislage«.3

3
Rösing (1997), Sonderfall Abendland, 78.
Im Zuge der starken Zunahme von »Lautsprechermusik«, welche die Musikwiedergabe vom »realen Aufführungsanlass« abkoppelt, erkennt Rösing in der starken Dominanz der individuell-psychischen Funktionen eines der signifikantesten Merkmale zeitgenössischer Musikkultur.


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