- 40 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
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4.2.3.  Kaufhausmusik

Kaum betroffen von der Radio-Konkurrenz scheinen die Anbieter funktioneller Musik im Segment Kaufhausmusik zu sein. Vor allem Werbeblöcke – möglicherweise von konkurrierenden Firmen – und Wortbeiträge allgemein (als störende Elemente), disqualifizieren das reguläre Radioprogramm meist für einen Einsatz als Hintergrundmedium der Verkaufsflächen. Eigens produzierte Kaufhausmusik bietet den Vorteil eines Programms, das exakt auf die jeweiligen Häuser zugeschnitten ist. Das betrifft Musikauswahl, eigens produzierte Werbespots, Durchsagen usw. Etablierte Firmen wie Muzak oder DMX Music (Ex-Reditune) müssen sich den Markt hier jedoch mit spezialisierten Firmen wie Moodmedia62

oder P.O.S.-Radio63 (Point of Sale Radio) teilen, deren Angebot sich ausschließlich an den Handel richtet, und sich dementsprechend fokussierter (auf dessen Bedürfnisse zugeschnitten) präsentieren kann. Moodmedia bietet beispielsweise neben dem Kerngeschäft Musik komplette Software-Lösungen für die Unternehmen an, P.O.S.-Radio wirbt mit umfangreichen Evaluationsmaßnahmen (»Gerade am P.o.S. muss Medialeistung messbar sein«64
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Ebd.
). Wie bei der funktionellen Musik in der Arbeitswelt tut sich bei der Erfolgskontrolle des Musikeinsatzes im Kaufhaus eine Kluft auf zwischen den Versprechungen der Anbieter und den Erkenntnissen aus unabhängigen wissenschaftlichen Studien.65
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Im Vergleich zu den vielen Untersuchungen über Arbeitsmusik fällt jedoch die Anzahl von Untersuchungen zu diesem Thema eher bescheiden aus. Dies ist verwunderlich, wenn man die weite Verbreitung des Phänomens Kaufhausmusik bedenkt. Ein guter Überblick über die Forschungsergebnisse findet sich bei Rösing/Bruhn (1997), 1586 oder Vanecek (1991) 21–26.
Erich Vanecek präsentiert einen kleinen Katalog von immer wiederkehrenden Argumenten, wie sie sich im Werbematerial der Berieselungsindustrie finden:

  1. Verbesserung der allgemeinen Atmosphäre, Imagegewinn (»Sympathie-Argument«)
  2. Regulierung des Aktivierungsniveaus der Kunden. (»Aktivierungs-Deaktivierungs-Argument«)
  3. Beförderung von Kaufentscheidungen (»Kippeffekt-Argument«)
  4. Verlängerung des Aufenthalts der Kunden (»Verweildauer-Argument«)
  5. Positive Effekte auch für das Kaufhauspersonal
    (»ArbeitsplatzZufriedenheits-Argument«)66
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    Vgl. Vanecek (1991) 18f.

Interessant ist in diesem Zusammenhang besonders Punkt 4, das »Verweildauer-Argument«. Obwohl die Kaufhausmusik von der Mitarbeiterin der Deutschen Bahn explizit als Vorbild für die Beschallung am Hauptbahnhof genannt wurde, hat sie auch festgestellt, dass durch die Beschallung offensichtlich die »Qualität für einen längeren Aufenthalt« gesenkt worden ist. Insgesamt müssen die Versprechungen über die Wirkung von Kaufhausmusik seitens der Anbieter höchst kritisch hinterfragt werden. Motte-Haber schreibt: »Das ist ein so umfangreicher Katalog von


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