- 39 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
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Forschungsergebnisse argumentierten die Anbieter funktioneller Musik verstärkt damit, durch die Beschallung zwar keine absolute Leistungssteigerung zu erreichen, jedoch Ermüdungsphasen entgegenzuwirken, das Leistungsniveau also auf einem konstanten Level halten zu können. Motte-Haber bezeichnet jedoch die Wahrscheinlichkeit, selbst solch eine »eingeschränkte« Musikwirkung bei der Arbeit zu erzielen, als äußerst gering.53
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Vgl. Motte-Haber (1996) 223f.
Gesichert scheint aber, dass Musik die allgemeine Arbeitszufriedenheit, also die Einstellung gegenüber der Arbeitssituation, verbessern kann:54
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Vgl. z. B. Kunz, S.:Musik am Arbeitsplatz (Fragmente 13), Wien 1991.

»Bei der um 1970 auch in den Medien heftig geführten Diskussion um die Frage derartiger ›akustischer Umweltverschmutzung‹ versuchten Journalisten recht erfolglos, Arbeitnehmern negative Äußerungen über Musik zu entlocken. Die Einstellung dazu ist so positiv, daß sich auch die Gewerkschaften entschlossen haben, darin einen Beitrag zur Humanisierung der Arbeitswelt zu sehen.«55

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Motte-Haber (1996) 225f.

Obwohl die Akzeptanz seitens der Beschäftigten also groß ist, scheint funktionelle Musik allenfalls noch in Büroräumen eine Rolle zu spielen. In Deutschland findet sich zurzeit kein Anbieter, der Fertigungshallen beschallt.56

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Ein relativ neuer Geschäftszweig von Muzak (bisher nur in den USA) ist das sog. »Sound-Masking«, nicht durch Musik werden Geräusche überdeckt: »When it comes to open offices, fewer distractions can equal improved productivity. Sound Masking renders unintelligible workplace noise, such as voices, machines and ventilation systems. Restore speech privacy in open offices, confidential privacy in closed offices, and your sanity in any office.« Zit. nach: http://www.muzak.com/design/default2.asp.
Susanne Kunz hat 1991 bemerkt, dass Arbeitnehmer in der Regel Radioprogrammen gegenüber funktioneller Musik den Vorzug geben.57
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Vgl. Kunz (1991) 79.
Sie begründet dies einerseits mit dem schlechten Ruf, der der funktionellen Musik vorauseilt, andererseits damit, dass »die Arbeitskräfte, wenn sie schon tagaus, tagein monotone Tätigkeiten vollführen, wenigstens aktuelle Musik und Informationen hören wollen«.58
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Ebd.
Arbeitsmusik aus dem Radio hat ihre eigene Tradition. Ein Vorreiter war die BBC mit ihrer Sendereihe »Music While You Work«; 1940 zur Ankurbelung der Waffenproduktion im 2. Weltkrieg gestartet, lief das Programm in England bis 1967.59
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Vgl. Kunz (1991) 19.
Seit der Öffnung des Rundfunkmarktes60
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1985 wurden in München einem privaten Sender erstmals Rundfunkfrequenzen in Lizenz überlassen. Das als Folge des »dritten Rundfunkurteils« des Bundesverfassungsgerichtes (am 16.06.1981) eingeführte »duale System« wurde im Jahre 1987 im »Staatsvertrag zur Neuordnung des Rundfunkwesens in Deutschland« kodifiziert.
konkurrieren mit den Anbietern funktioneller Musik in Deutschland zunehmend die Formatradios. Durch Programmdramaturgien, angepasst an übliche Arbeitszeiten,61
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Vgl. Münch (1991) 134.
oder auch durch speziell auf die Arbeitnehmerschaft zugeschnittene Telefon-Gewinnspiele, bemühen sich die Sender zunehmend um eine Präsenz in der Arbeitswelt.


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