- 61 -Probst-Effah, Gisela (Hrsg.): Musikalische Volkskultur und elektronische Medien 
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denn beide Hörbeispiele stellen – unabhängig von ihren je spezifischen Kontexten – keine unbeeinflussten Dokumente tatsächlicher Singpraxis dar, die die Realität möglichst angemessen abbilden. Sie verkörpern zwar unterschiedliche aufnahmetechnische Standards. Auch haben ihnen verschiedene Produktionsformen die nun hörbare Gestalt gegeben. Allerdings sind sie beide deutlich manipuliert. Diese Eingriffe und Zurichtungen müssen bei einer Forschungsaufnahme kontrollierbar sein. Dieser wissenschaftlichen Anforderung unterliegen die eigeninitiativ und privatwirtschaftlich produzierten Aufnahmen von Musik- und Gesangsgruppen jedoch nicht. Damit aber stellen sie eine große Herausforderung an die Fachkenntnis und Analysefähigkeit des Forschers dar. Offensichtlich jedoch – dies sollten die Beispiele zeigen – sichert die zunehmende Perfektionierung der Aufnahmetechnik nicht automatisch, dass sich die Seriosität jener Maßnahmen, die die Aufnahme begleiten, ebenso weiterentwickelt: Ich meine namentlich das Arrangement der Aufnahmesituation, die Tonabmischung und die anschließende Datenverarbeitung. Damit lässt sich strukturell keine forschungstechnisch relevante Verbesserung der dokumentarischen Qualität dieser Quellen erkennen. Wie erklärt sich dies?

Die historische Entwicklung der Aufnahmetechniken

Bereits ein Blick auf die historische Entwicklung der audiovisuellen Aufnahmetechniken und der sie begleitenden Maßnahmen lässt neben den Fortschritten auch Momente erkennen, die zu gleichbleibenden Abstrichen in quellentechnischer Hinsicht führen. Ich beziehe mich dabei exemplarisch auf die Tontechnik. In diesem Bereich folgten verschiedene Arten der Schall-Reproduktion in den Apparaturen aufeinander: von mechanischen über elektromagnetische bis hin zu optischen Verfahren. Auch die Art der Speicherung differiert: Hier ging der Weg von analogen zu digitalen Verfahren.13

Elste, Martin: Kleines Tonträger-Lexikon. Von der Walze zur Compact Disc. Basel/Kassel 1989.-->

13   Elste, Martin: Kleines Tonträger-Lexikon. Von der Walze zur Compact Disc. Basel/Kassel 1989.

Ich möchte die markanten Schritte der Aufnahmeentwicklung nur kurz skizzieren:

Tonaufzeichnungen des realen Schalls begannen im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts durch die Erfindungen des Phonographen (Thomas Alva Edison 1877/78) und des Grammophons (Emil Berliner 1888).14

Zur allgemeinen Entwicklungsgeschichte der Aufzeichnungstechniken siehe Elste 1989 (wie Anm. 13); Elste, Martin: Von der Partiturwissenschaft zu einer Klangwissenschaft. Überlegungen zur Schallplattenforschung. In: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung, Preußischer Kulturbesitz. Bd. 1983/1984 (1984) S. 115–144; Heckmann, Harald: Schallaufzeichnungen als musikgeschichtliche Quellen. In: Fontes Artis Musicae 27/1 (1980) S. 5–12; Rhein, Eduard: 100 Jahre Schallplatte. Vom Phonographen über die Laser-Disc – wohin? (= Berliner Forum 2/87). Berlin 1987 sowie Schafer, R. Murray: Klang und Krach. Eine Kulturgeschichte des Hörens. Frankfurt a. M. 1988. bes. S. 122–125.-->

14   Zur allgemeinen Entwicklungsgeschichte der Aufzeichnungstechniken siehe Elste 1989 (wie Anm. 13); Elste, Martin: Von der Partiturwissenschaft zu einer Klangwissenschaft. Überlegungen zur Schallplattenforschung. In: Jahrbuch des Staatlichen Instituts für Musikforschung, Preußischer Kulturbesitz. Bd. 1983/1984 (1984) S. 115–144; Heckmann, Harald: Schallaufzeichnungen als musikgeschichtliche Quellen. In: Fontes Artis Musicae 27/1 (1980) S. 5–12; Rhein, Eduard: 100 Jahre Schallplatte. Vom Phonographen über die Laser-Disc – wohin? (= Berliner Forum 2/87). Berlin 1987 sowie Schafer, R. Murray: Klang und Krach. Eine Kulturgeschichte des Hörens. Frankfurt a. M. 1988. bes. S. 122–125.

Erste wissenschaftliche Aufnahmen mit dem Phonographen geschahen in den 1890er Jahren in den USA und einzelnen europäischen Ländern (z. B. Ungarn, Frankreich, Schweden).15

Voigt, Vilmos: Megoldott és megoldatlan kérdések hangrögzítésünk kezdetei körül. In: Néprajzi értesíto 79 (1997) S. 103–107.-->

15   Voigt, Vilmos: Megoldott és megoldatlan kérdések hangrögzítésünk kezdetei körül. In: Néprajzi értesíto 79 (1997) S. 103–107.

Der Phonograph wurde von Musikforschern vereinzelt bis in die 1950er Jahre verwendet, da er transportierbar war und keine Elektrizität benötigte.16

Zum Entwicklungsgang der technischen Ausrüstung für die Feldforschung siehe exemplarisch Haid, Gerlinde: Zur Methodologie volksmusikalischer Feldforschung in Österreich. In: Das Schallarchiv 5 (1979). S. 14–28; Hoerburger, Felix: Erinnerungen an erste Versuche auf dem Gebiet der musikethnologischen Feldforschung. In: Rüdiger Schumacher (Hg.): Von der Vielfalt musikalischer Kultur. Festschrift für Josef Kuckertz zum 60. Geburtstag. Anif/Salzburg 1992. S. 233–236; Haid, Gerlinde: Methodologie und Praxis der volksmusikalischen Feldforschung in Österreich. In: Gisela Probst-Effah (Hg.): Feldforschung heute. Protokoll der Arbeitstagung der Kommission für Lied-, Musik- und Tanzforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde 28.9.–2.10.1980 in Aichwald. Neuss 1983. S. 52–64.-->

16   Zum Entwicklungsgang der technischen Ausrüstung für die Feldforschung siehe exemplarisch Haid, Gerlinde: Zur Methodologie volksmusikalischer Feldforschung in Österreich. In: Das Schallarchiv 5 (1979). S. 14–28; Hoerburger, Felix: Erinnerungen an erste Versuche auf dem Gebiet der musikethnologischen Feldforschung. In: Rüdiger Schumacher (Hg.): Von der Vielfalt musikalischer Kultur. Festschrift für Josef Kuckertz zum 60. Geburtstag. Anif/Salzburg 1992. S. 233–236; Haid, Gerlinde: Methodologie und Praxis der volksmusikalischen Feldforschung in Österreich. In: Gisela Probst-Effah (Hg.): Feldforschung heute. Protokoll der Arbeitstagung der Kommission für Lied-, Musik- und Tanzforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde 28.9.–2.10.1980 in Aichwald. Neuss 1983. S. 52–64.

Dem standen allerdings

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