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Einschränkungen gegenüber, die auch in die frühe Schallplatten-Ära
der Schellackplatten hineinreichen. Zum einen war die Aufnahmedauer auf
wenige Minuten begrenzt, was in aller Regel die rigide zeitliche Terminierung
des Vortrags erforderlich machte. Beim Phonographen waren es maximal 2–3
Minuten, bei der Schellackplatte ca. 4 Minuten. Zum anderen mussten die
Vortragenden Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen, die durchaus psychische Barrieren
darstellten. Denn die Sprecher und Interpreten mussten mit ganzer Kraft aus
kürzester Entfernung in einen großen Trichter singen oder spielen. Unter diesen
Voraussetzungen war es noch nicht möglich, natürliche spontane Konversationen im Feld
aufzunehmen.17
Zu technischen und praktischen Aspekten von Phonograph und Schellackplatte siehe
u. a. Großmann-Vendrey, Susanna u. a. (Bearb.): Edison-Zylinder. Übertragungen von
Phonographenzylindern im Deutschen Rundfunkarchiv. Frankfurt a. M. 1985, insbes.
S. X–XXV; Simon (wie Anm. 1) S. 94f.; Sorce Keller, Marcello: Was uns die ältesten
Schallaufnahmen über die Musik sagen, was sie nicht sagen, und was sie sagen, wir
aber nicht verstehen wollen. In: Michaela Brodl / Clelia Parvopassu (Hg.), Claus-Peter
Gallenmiller (Prod.): Firmen- und Künstlerdiskografien der Schellackzeit mit besonderer
Berücksichtigung der Unterhaltungsmusik. Sommerakademie für Schellackfreunde, organisiert
von der Universität Udine in Gorizia und der Gesellschaft für historische Tonträger im Juli
2003 (CD); Thiel (wie Anm. 4), insbes. S. 101–103; Hedblom, Folke: Fonogrammet 100 år.
In: Svenska landsmål och svenskt folkliv 101–102 (1978–1979) S. 114–170.-->
Im übrigen verwendete man in der musikwissenschaftlichen und volkskundlichen Forschung den Phonographen zunächst als Aufzeichnungshilfe für die anschließende Niederschrift und erst allmählich auch als Dokumentationsinstrument des präsentierten Klanges.18 Haid 1979 (wie Anm. 16) S. 15f.; Simon (wie Anm. 1) S. 94; Schüller, Dietrich: Singen und
Musizieren in Österreich. Phonographische Feldforschungen zur Aufnahme aktueller Sing- und
Spielanlässe. In: Informationen zur Soziographie des Österreichischen Musiklebens 5 (1979).
S. 1–5, hier S. 1.-->
Die Aufzeichnungstechnik ist bei der Schellackplatte wie beim Phonographen das sog. Nadeltonverfahren, bei dem technische Manipulationen der Schallreproduktion nicht möglich waren. Denn die Schallwellen wurden nach ihrer mechanischen Umlenkung direkt auf eine Matrize geschnitten, deren Rillen denen der späteren Schallplatte entsprachen. Dadurch handelt es sich bei diesen Musikaufnahmen um Live-Einspielungen mit allen situativen Zufälligkeiten und spieltechnischen Schwankungen und Fehlern. Wegen der großen Streubreite der Mikrophone war der Frequenzbereich der Schellackaufnahme mit nur rund 50 bis ca. 3000 Hertz deutlich auf den Haupthörbereich beschränkt, da in diesem Sektor die Nebengeräusche am erträglichsten blieben. Somit bieten die Schellackaufnahmen ein dem Einspielereignis entsprechendes Hörerlebnis. Diese subjektive Wiedergabetreue wird allerdings objektiv mit einer deutlichen Begrenzung des Frequenzbereiches bezahlt. Man hört also den Vortrag so, wie er unter den für die Aufnahme erforderlichen Vorkehrungen quasi »live« stattfand, aber man hört nicht alles. Damit lösen diese Aufnahmen |