- 64 -Schläbitz, Norbert: Mit System ins Durcheinander  
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gelegte Musikleben von ›E‹ bis ›U‹ mit einbezieht, sondern wesentlich die Musik einer kleinen Komponistenschar bedenkt, die der so genannten ›E‹-Musik zugerechnet wird. Und der Mangel zeigt sich eben auch, wenn neue Instrumente Musik klingen lassen und eine angemessene Sprache zur Auseinandersetzung mit solcher Musik nicht vorliegt.

Mit dem Verlust der Sprache zur adäquaten Beschreibung gegenwärtigen musikalischen Geschehens ist eine Musikwissenschaft aber möglicherweise auf Dauer besehen in ihrer Existenz selbst bedroht. Mit einer fortschreitenden Musik auf der einen Seite und Sprachregelungen der Vergangenheit, die Analysen leiten, auf der anderen Seite wird mehr und mehr aneinander vorbeigeredet. Mithin besteht die Gefahr, dass eine zu sehr der Tradition verhaftete Musikwissenschaft, indem sie das Verständnis für die gegenwärtige Sprache der Musik nicht mehr hinreichend sucht, auch den kommunikativen Anschluss an andere relevante gesellschaftliche Systeme nicht mehr findet, die für diese Haltung kein Verständnis mehr haben. Die laufende Reproduktion von Kommunikation über Musik läuft mehr und mehr am dem dafür vorgesehenen System vorbei. Damit verödet Kommunikation und das System bzw. die Institution gleich mit, zumindest aber verliert eine solche ihren Status, der neu – und von anderen dann – geregelt wird. Diese Problematik ist nicht von der Hand zu weisen. Eine breit angelegte Öffnung für musikalische Tendenzen in der Gegenwart kann der Zukunft musikwissenschaftlicher Institutionen und Traditionen nur dienlich sein und könnte mancher Kritik am Fach die bedrohliche Spitze nehmen. Einer weiteren Entwicklung allerdings, die sich aktueller Musik nicht kritisch konstruktiv stellt bei gleichzeitig mangelnder kritischer Reflexion der eigenen Positionen, wäre mit Sorge zu betrachten. Überlegungen von Hans Heinrich Eggebrecht, die er 1972 machte und im Jahr 2000 in einem Selbstzitat wiederholte, geben dieser Sorge Nahrung. Dort schrieb er: »Das Altern der Musikhistoriographie zeigt sich äußerlich als Trend zu ihrer Verselbstständigung in sich selbst, wo sie im Starren auf ihre Objekte ein geschichtliches Konzept nicht mehr artikuliert, im Sog des Publikumsmarktes sich verschleißt, trotz Mammutkongressen unbeachtet bleibt, in der Uferlosigkeit beliebiger Details endlose Fäden spinnt und der Gefahr erlegen ist, in unreflektierten Fragestellungen und Stoffbereichen im Schatten tradierter Motivationen geschäftig zu sein und in leerer Betriebsamkeit und Bürokratisierung Material zu häufen und zu verwalten« (Eggebrecht 2000: 3f.). Er fährt fort: »Das könnte ich heute so ähnlich wieder schreiben« (ebd.) und bedauert die Wirkungslosigkeit seiner Worte. »Verselbständigung in sich selbst, Konzeptionslosigkeit, leere Betriebsamkeit«, das sind die Beschreibungen, die er auch für die Musikwissenschaft der Gegenwart findet. Er tadelt sich selber des zu pauschalen Urteils und der mangelnden Differenziertheit seiner Argumentation, die seine Worte möglicherweise einst in den 70er Jahren folgenlos ließen, bemüht sich im weiteren Verlauf zur Konkretisierung und fragt schließlich: »Die musikwissenschaftliche Welt – so ist sie gefügt. Durch wen und durch was könnte es geändert werden? Durch niemanden und nichts« (Eggebrecht 2000: 5), so folgert Eggebrecht im Verlauf seiner kritischen Bestandsaufnahme zur Musikwissenschaft, als er trotz einer regen Publikationstätigkeit den Mangel an relevanten Publikationen, die sich der Diskussion stellen, erörtert. Und es klingt ein bedauerndes Nichts ändert sich, wo Änderung Not täte darin mit. Der Mangel an Veränderungswillen wird institutionenimmanent


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