- 49 -Sydow, Kurt: Musikpädagogische Beiträge aus drei Jahrzehnten 
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Geselliges Singen

Rufendes Singen,1 horchendes Singen2 und geselliges Singen bezeichnet drei Verhaltensweisen, die einander ergänzen, ablösen oder integrieren. Das in die Weite gerichtete rufende Singen hat seine besondere Dimension in der horizontalen Raumrichtung. Horchendes Singen weckt Vorstellungen in der Vertikalen (Höhe und Tiefe, nach oben horchen und sich neigen). Geselliges
(Zu- und Miteinander-) Singen schwingt im eigenen Kreise.

In einem modernen Reiseführer steht zum Wort gesellig: gemütlich, bequem, amüsant. Umschreiben wir es etwa so: Freundliche Gefühle und schöne Gestimmtheit, Behaglichkeit aus Wohlbehagen, einfallsreich, unterhaltend, nicht ohne Geist, Scherz und Humor. - Der Begriff Geselligkeit hängt zusammen mit Geselle. Bei den Gesellen ging es einstmals geformt und - geht es auch heute noch - lustig zu. Singbräuche der Maurer und Zimmermannsgesellen retteten sich vereinzelt bis in die Gegenwart. Beim Richtfest wechseln, verbunden mit Trinksitten, Lieder und Sprüche einander ab. Kehrreime werden mit Knieschlag, Handschlag, Brust- und Gegeneinanderschlag der Hände verbunden.

Unter "Gesellige Zeit" meinen wir das Chorbuch mit Madrigalen und vornehmlich weltlichen Liedsätzen aus jener Zeit, in der das zwanglose Singen um den Tisch herum üblich war, in der Blockflöten als fünfte Tischbeine fungierten und nur nach dem Essen hervorgeholt zu werden brauchten, um gespielt zu werden. In lustiger Übersteigerung gab es Spazierstöcke, die auch als Flöten gearbeitet waren, so daß die in der Musica gewandten Cavaliere sich mit einem Duo, Terzett oder Quartett begrüßen konnten.

Ausdruck gepflegter Geselligkeit findet man in Beispielen aus der Geschichte des Sololiedes. In Liedern und Arien Adam Kriegers (1634-1666) werden Schlußtakte deshalb wiederholt, damit alle Anwesenden mit einstimmen können. Damit lenkt der Sänger von seiner

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