- 30 -Fastenau, Volker: "...comme si on appuyait sur une sonette?" 
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Gleichzeitig zeigt sich hier, welchen Einfluss die deutsche Musik zur Zeit der Nouvelle Vague auf führende französische Regisseure wie Rohmer, Godard und Malle ausgeübt hat.78

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Vgl. Eric Rohmer in: Bazin, Janine/Labarthe, André S.: Cinéma, de notre temps. Eric Rohmer (1). La Sept/Arte – INA – Les films de Losange 1993: »Ich glaube, wir [die Regisseure der Nouvelle Vague] alle waren sehr von der Musik geprägt, insbesondere der deutschen, speziell von Beethoven, auch wenn wir damit nicht alle gleichermaßen vertraut waren. Einer schien sich ziemlich dagegen zu sperren und recht ungebildet auf diesem Gebiet zu sein: Truffaut. Aber Godard hat ausführlich und auf sehr intelligente Art – selbst wenn ich das für ein Sakrileg halte – Beethovens Streichquartette in seinem Werk verwendet. Rivette interessierte sich sehr für die Zwölftonmusik und für die Wiener Schule. Chabrol, der selbst musizierte und ich, wir waren sehr geprägt von der deutschen Musik des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert.« Rohmer hat sogar ein Buch veröffentlicht, in dem er Werke von Mozart und Beethoven analysiert (vgl. Eric Rohmer: Von Mozart zu Beethoven. Salzburg/Wien: Residenz 1997).

  Zazie dans le métro – Hommage an die Stummfilmzeit oder Kritik an der Filmmusikpraxis?

Zazie, ein zehnjähriges Mädchen vom Lande, besucht an einem Wochenende ihren Onkel Gabriel in Paris, während ihre Mutter die Zeit mit einem Geliebten verbringt. Während der folgenden 36 Stunden erforscht die aufgeweckte Zazie auf eigene Faust und mit ihrem Onkel die Metropole, wobei ihr sehnlichster Wunsch, einmal mit der Metro zu fahren, ihr verwehrt wird, da diese aufgrund eines Streiks geschlossen ist. Nach diversen Abenteuern mit einem Pädophilen, einer nymphomanischen Witwe und anderen skurrilen Zeitgenossen kulminiert der Film in einer Massenschlägerei, aus der Gabriels Frau Albertine Zazie herausrettet und via Metro zum Bahnhof zu ihrer Mutter bringt, wobei Zazie die Fahrt vollkommen übernächtigt verschläft.

  Zur Romanverfilmung

Die Adaptation des Erfolgsromans Zazie dans le métro stellte für Malle eine besondere Herausforderung dar, da allgemein die Meinung herrschte, dass es unmöglich sei, den Charakter und den Witz des Bestsellers in die Filmsprache zu übertragen. Der 1959 erschienene Roman des Schriftstellers Raymond Queneau gewinnt seine Faszination aus dem Gebrauch der Sprache: Queneau mischt nach Belieben klassische Alexandriner, gestelzte Erwachsenensprache und schnoddrigen Gossenjargon (»Napoléon, mon cul!«79

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»Napoléon am Arsch!«
), wobei letzterer vor allem von Zazie selber verwendet

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