- 33 -Fastenau, Volker: "...comme si on appuyait sur une sonette?" 
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geordneten Einsätze 37 und 39/40, die eine sich ständig wiederholende Folge von Tönen enthalten, die jedoch nicht an ein Metrum gebunden ist.

Einordnung der Musik nach Funktionen

Die Einordnung der Takes in voneinander abgegrenzte Funktionskategorien gestaltet sich schwierig, da eine klare Zuordnung nur in seltenen Fällen möglich ist. Die Kategorie ›Slapstick-Musik‹ beispielsweise ist freilich auch situationsbezogene Musik, dennoch hebt sie sich durch charakteristische Verfremdungen und Überzeichnungen ab. Die Musikeinsätze werden in ›Zazie-Themen‹, Slapstick-Musik, Situations-/Ortsbezogene Musik und Musik im On eingeteilt.

›Zazie-Themen‹ (t 1, 3, 11, 48) Die Person Zazie wird im Film durch zwei Themen charakterisiert. Zu Beginn des Films erfolgt eine atmosphärische Einstimmung durch die Vorspannmusik (›Générique‹), die gleichzeitig die Person Zazie akustisch vorstellt, obgleich diese noch nicht zu sehen ist (Kurz bevor die Musik sich aus dem Pfeifen des Zuges entwickelt, erscheint der Titel des Films, womit Zazie mit der Musik assoziiert wird). Die Kamera ist auf bzw. in der Lokomotive installiert, während diese durch Pariser Vororte fährt. Die Musik erinnert hier an die eines Western (bis auf eine Ausnahme in Takt 19 reine Pentatonik, Plagalschlüsse As7+/9 auf Es und gemächliches, ein reitendes Pferd nachahmendes Tempo: Halbe = 66), was auch ausdrücklich im Drehbuch vermerkt ist.86

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»Musique de style western.« (»Zazie dans le métro – découpage et dialogues«. In: L’Avant-Scène Cinéma 104 (6/70), S. 1–62, hier 10


Der Abspann verläuft symmetrisch: gleiche Musik, gleiche Kameraführung, der Zug verlässt nun Paris. Zazie erscheint somit wie ein Sheriff, der in die Stadt reitet, ›für Ordnung sorgt‹ und nach erledigter Arbeit wieder abreitet (Die Arbeit besteht hier in der Aufdeckung der Oberflächlichkeit und Fassaden der Erwachsenen und deren Welt). Gleichzeitig wird bereits im Vorspann das Genre des Western und die typische Musik parodiert, da der Protagonist nicht durch eine endlose Steppe, sondern durch triste Trabantensiedlungen reitet und sein Pferd in diesem Fall die Eisenbahn ist.87

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Laußmann sieht in dieser Szene zudem einen Verweis auf die Gebrüder Lumière und deren Film Arrivée d’un train à La Ciotat: »[. . . ] ist diese Rahmung als metaphorische Markierung der filmästhetischen Selbstsituierung Louis Malles zu verstehen, insofern als er hier auf einen der ersten Filme der Kinogeschichte [. . . ] anspielt, jedoch die Kameraposition dabei umkehrt, denn bei den Brüdern Lumière fährt der Zug auf die Kamera zu und dann knapp an ihr vorbei, so daß der Eindruck entsteht, als führe er ins Publikum hinein.« (Laußmann (1989), S. 375)


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