- 10 -Kinzler, Hartmuth (Hrsg.): Musik und Leben 
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Gewiß, wir brauchen Historie, aber wir brauchen sie anders, als sie der verwöhnte Müßiggänger im Garten des Wissens braucht, mag derselbe auch vornehm auf unsere derben und anmutlosen Bedürfnisse und Nöte herabsehen. Das heißt, wir brauchen sie zum Leben und zur Tat, nicht zur bequemen Abkehr vom Leben und von der Tat oder gar zur Beschönigung des selbstsüchtigen Lebens und der feigen und schlechten Tat. Nur soweit Historie dem Leben dient, wollen wir ihr dienen.

Friedrich Nietzsche,
Einleitung zur zweiten seiner Unzeitgemäßen Betrachtungen, 1874

Als Sabine Giesbrecht1

1
Ihre Publikationen erschienen bis 1992 unter dem Namen Sabine Schutte, von 1993 bis 1997 unter dem Namen Sabine Giesbrecht-Schutte und seit 1998 unter dem Namen Sabine Giesbrecht. Hier wird im Haupttext der Einheitlichkeit halber nur ihr jetziger Name verwendet.
ihre wissenschaftliche Karriere begann, war die Welt der Musikwissenschaft noch in Ordnung. An ihrer ersten Publikation, der Dissertation aus dem Jahr 1970 mit dem Titel Der Ländler. Untersuchungen zur musikalischen Struktur ungeradtaktiger österreichischer Volkstänze verrät nichts, aber auch gar nichts, dass die Autorin zu denen gehörte, die diese Welt gründlich und anhaltend in Unordnung bringen würden. Solide philologische Kleinarbeit mit einer beeindruckenden Zahl handschriftlicher und gedruckter Quellen, alles ordentlich nach den handwerklichen Regeln durchgeführt, nach metrischen Unregelmäßigkeiten, Variantenbildung und historischen Schichten durchforstet. »Die Untersuchung richtet sich«, so liest man in der Einleitung, »ausschließlich auf die musikalische Gestalt. Aus diesem Grund mussten alle außermusikalischen Gesichtspunkte wie Tanzbewegungen, Texte und die Stellung der Tänze im jeweiligen gesellschaftlichen Zusammenhang unberücksichtigt bleiben«2
2
Sabine Schutte, Der Ländler. Untersuchungen zur musikalischen Struktur ungeradtaktiger österreichischer Volkstänze, Strasbourg u. Baden-Baden 1970 (= Sammlung musikwissenschaftlicher Abhandlungen; Bd. 52), S. 27.
. Es war das erste, aber vermutlich auch das letzte Mal, dass Sabine Giesbrecht in einer Publikation den »jeweiligen gesellschaftlichen Zusammenhang« unberücksichtigt gelassen und eine Trennung in »musikalische« und »außermusikalische« Gesichtspunkte vorgenommen hat.


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