unumstößlicher Selektionskriterien (Programme) aufschreiben
ließe.113|
113 »Anders als in der Evolution anderer, stark programmierter Funktionssysteme wird man
im Falle des Kunstsystems nicht davon ausgehen können, daß Selektionskriterien (wie
z.B. Profit oder methodologische Korrektheit oder Gleichheit/Ungleichheit in bezug auf
bisherige Rechtspraxis) vorgegeben sind.« KdG (S. 370).
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Das Wesen der Kunst ist ihre Selbstprogrammierung. Selbstprogrammierung liegt der
Differenzierung von evolutionärer Variation und Selektion in der Kunst zugrunde – von
Kunstwerk zu Kunstwerk zu Kunstwerk usf.
»Sie [die Programmierung, T.K.] konstituiert sich erst, wenn gelungene Kunstwerke
als solche Eindruck machen und andere Kunstwerke zu beeinflussen beginnen
– sei es, daß man sie als ’neu’ bevorzugt, sei es, daß man sie nur
abweichend
herstellt. Zunächst wird es dabei immer um Nachahmung erfolgreicher Kunstwerke
gegangen sein, die dann als Muster für die Herstellung von Themenvarianten
dienten. [...] Wenn Kunstwerke ihre eigene Programmierung sind, dann überzeugen
sie erst nach ihrer Fertigstellung. Erfolgreiche Kunst läßt sich immer erst
nachträglich auf Kriterien hin beobachten, und dann mit der Frage ob man
es nachahmen und besser machen will, oder ob die Innovation sich auf die
Ablehnung bisher geltender Kriterien gründen soll.«114
Die autonom ablaufende Programmierung oder auch Selbstprogrammierung der Kunst setzt
die Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz und damit den Beobachter zweiter
Ordnung115 |
115 Der Beobachter zweiter Ordnung beobachtet die Beoabachtungen (Selektionen) der
Beobachter erster Ordnung. Während der Beobachter erster Ordnung im »Paradies der
Weltphänomene« (KdG, S. 149) operierend Was-Fragen stellt, fragt der Beobachter
zweiter Ordnung »wie?« und optiert damit den blinden Fleck in den Beobachtungen des
Beobachters erster Ordnung: Luhmann selbst vergleicht sein Konzept zum Beobachter
zweiter Ordnung mit dem der Dekonstruktion von Derrida. Vgl. auch: Luhmann
(1995a).
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voraus. Retrospektiv kristallisieren sich somit aus einem strukturselektiven Evolutionsprozeß
systemintern Möglichkeiten zur Beobachtung von Ausdifferenzierung und Typenbildungen
heraus.116|
116 Das liest sich in der neueren Popmusikforschung z.B. so: »Als Rap den Rest der Welt
erreichte, begannen Musiker und DJs in Europa und den USA, den orthodoxen
Old-School-Stil von Grandmaster Flash und DJ Herc zu modifizieren, bis hin zu den
komplett eigenständigen Werken von Soul II Soul und Massive Attack.« Poschardt
(1997a, S. 178).
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Diese schlagen sich kunst- bzw. musikgeschichtlich in Stilkunden nieder, die von
"botanisierenden Kunstexperten"(Luhmann) gepflegt werden (können); wobei der Stil selbst
kein Programm ist, »sondern eine Formvorgabe, mit der oder gegen die man arbeiten
kann.«117
3.3.3. Medium und Form
Luhmann versteht Medium und Form als Alternativformulierung von
System und Umwelt, wobei beide Formulierungen sich gegenseitig
begründen.118 |
118 Huber (1991, S. 121).
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Er geht von der Annahme aus, daß alle Wahrnehmung mit der Differenz Medium/Form
operiert und fragt im Anschluß daran nach dem speziellen Umgang, den die Kunst mit
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