- 51 -Klages, Thorsten: Medium und Form - Musik in den (Re- )Produktionsmedien 
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unumstößlicher Selektionskriterien (Programme) aufschreiben ließe.113
113 »Anders als in der Evolution anderer, stark programmierter Funktionssysteme wird man im Falle des Kunstsystems nicht davon ausgehen können, daß Selektionskriterien (wie z.B. Profit oder methodologische Korrektheit oder Gleichheit/Ungleichheit in bezug auf bisherige Rechtspraxis) vorgegeben sind.« KdG (S. 370).
Das Wesen der Kunst ist ihre Selbstprogrammierung. Selbstprogrammierung liegt der Differenzierung von evolutionärer Variation und Selektion in der Kunst zugrunde – von Kunstwerk zu Kunstwerk zu Kunstwerk usf.

»Sie [die Programmierung, T.K.] konstituiert sich erst, wenn gelungene Kunstwerke als solche Eindruck machen und andere Kunstwerke zu beeinflussen beginnen – sei es, daß man sie als ’neu’ bevorzugt, sei es, daß man sie nur abweichend herstellt. Zunächst wird es dabei immer um Nachahmung erfolgreicher Kunstwerke gegangen sein, die dann als Muster für die Herstellung von Themenvarianten dienten. [...] Wenn Kunstwerke ihre eigene Programmierung sind, dann überzeugen sie erst nach ihrer Fertigstellung. Erfolgreiche Kunst läßt sich immer erst nachträglich auf Kriterien hin beobachten, und dann mit der Frage ob man es nachahmen und besser machen will, oder ob die Innovation sich auf die Ablehnung bisher geltender Kriterien gründen soll.«114

114 KdG (S. 370).

Die autonom ablaufende Programmierung oder auch Selbstprogrammierung der Kunst setzt die Unterscheidung von Selbstreferenz und Fremdreferenz und damit den Beobachter zweiter Ordnung115

115 Der Beobachter zweiter Ordnung beobachtet die Beoabachtungen (Selektionen) der Beobachter erster Ordnung. Während der Beobachter erster Ordnung im »Paradies der Weltphänomene« (KdG, S. 149) operierend Was-Fragen stellt, fragt der Beobachter zweiter Ordnung »wie?« und optiert damit den blinden Fleck in den Beobachtungen des Beobachters erster Ordnung: Luhmann selbst vergleicht sein Konzept zum Beobachter zweiter Ordnung mit dem der Dekonstruktion von Derrida. Vgl. auch: Luhmann (1995a).
voraus. Retrospektiv kristallisieren sich somit aus einem strukturselektiven Evolutionsprozeß systemintern Möglichkeiten zur Beobachtung von Ausdifferenzierung und Typenbildungen heraus.116
116 Das liest sich in der neueren Popmusikforschung z.B. so: »Als Rap den Rest der Welt erreichte, begannen Musiker und DJs in Europa und den USA, den orthodoxen Old-School-Stil von Grandmaster Flash und DJ Herc zu modifizieren, bis hin zu den komplett eigenständigen Werken von Soul II Soul und Massive Attack.« Poschardt (1997a, S. 178).
Diese schlagen sich kunst- bzw. musikgeschichtlich in Stilkunden nieder, die von "botanisierenden Kunstexperten"(Luhmann) gepflegt werden (können); wobei der Stil selbst kein Programm ist, »sondern eine Formvorgabe, mit der oder gegen die man arbeiten kann.«117
117 KdG (S. 340).

3.3.3.  Medium und Form

Luhmann versteht Medium und Form als Alternativformulierung von System und Umwelt, wobei beide Formulierungen sich gegenseitig begründen.118

118 Huber (1991, S. 121).
Er geht von der Annahme aus, daß alle Wahrnehmung mit der Differenz Medium/Form operiert und fragt im Anschluß daran nach dem speziellen Umgang, den die Kunst mit

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