- 18 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
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»The station was an extraordinary agent of social mixing. Its position at the centre of cities and in most suburban, country-town, and rural communities meant that it was accesible to all classes. (...) But the railway stations were in many respects designed to avoid these encounters across class and racial boundaries as much as possible. The provision of waiting-rooms for the different travelling classes effectively separated social class (...). The railway ticket was an indication of social standing, and, in the case of first class, a passport to protection.«22

22
Richards/MacKenzie (1986) 137.

Getrennte Warteräume sind lange abgeschafft; die Unterteilung in erste und zweite Klasse als Überbleibsel der anfänglich vier verschiedenen »Beförderungsklassen« kann heute (in den Zügen) jedoch immer noch Aufschluss über den sozialen Status der Reisenden geben. Die Gründe für das meist »schmuddelige« Milieu rund um die deutschen Bahnhöfe sieht Gerkan vor allem begründet in den Funktionen, die sie unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg erfüllten:

»In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg waren die Bahnhöfe trotz des zumeist zerstörten Zustandes auch die wichtigsten Orte der Ver- und Besorgung. Da blühte der Schwarzhandel, der Naturaltausch von Zigaretten, Kaffee und Alkohol gegen Familiensilber und über die Flucht gerettete Erbstücke. Da zu jener Zeit fast alle Menschen arm waren, hatte der Bahnhof eine zentrale Bedeutung für alle Menschen weit über seine Primärfunktion des Abfahrens und Ankommens hinaus. Die Bahnhöfe wurden mehr schlecht als recht wieder instandgesetzt, das niedrige Sozialmilieu blieb jedoch erhalten.«23

23
Gerkan (1996) 41.

Im Gegensatz dazu meinen Richards/Mackenzie, dass die Ursachen schon viel länger bestehen. So war der Bahnhof bereits in den Anfangsjahren des vergangenen Jahrhunderts ein bevorzugter Ort dunkler Geschäfte, Prostitution und Kriminalität der unterschiedlichtes Couleur:

»For all its bustle and light, the railway station, particularly the major terminal, has a dark underside, a criminal half-life, coexisting with its more public face. The transient crowds have meant that railway stations have long been a magnet for pickpockets, mingling with the masses to extract purses and wallets from the unsuspecting traveller; for its prostitution, male and female, plying for custom; for pimps and panders who lie in wait for innocent youngsters to arriving in the big city in vain hope for fame and fortune. Some seek these youngsters to gratify perverted lusts. Fritz Haarman, the Hannover mass murderer, small-time thief, and police informer in the disturbed years following the First World War, prowled Hannover Station picking up teenage boys.«24

24
Richards/MacKenzie (1986) 104.

Um jungen Mädchen vom Lande Hilfe zu bieten und sie vor den Gefahren der Großstadt zu warnen, insbesondere der Prostitution, welche sich verstärkt seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa ausbreitete, wurde 1894 in Berlin die erste Bahnhofsmission Deutschlands gegründet. Vor allem seit den Jahren des 1. Weltkriegs, als die Missionen stark in die Kriegsfürsorge eingebunden waren, erweiterte


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