sich ihr Wirken von der
Mädchenhilfe zu einer allgemeinen Wohlfahrtspflege vor Ort, sie »wurde eine
Institution ›dazwischen‹, zwischen dem Verkehrsbetrieb und dem städtischen
Leben, zwischen den Schluß- und Öffnungszeiten der Behörden, zwischen dem
regulierten Anspruch auf soziale Hilfe und dem freien Fall in Gefährdung und
Hoffnungslosigkeit«.25
»Die Entwicklung vieler Bahnhofsmissionen zu wichtigen innerstädtischen Sozialstationen, beginnend etwa Ende der fünfziger Jahre, führte zwangsläufig verstärkt zu Konflikten mit den Bestrebungen und Perspektiven der Deutschen Bundesbahn, die Bahnhöfe ansprechender zu gestalten. Erste grundlegende Modernisierungen, wie in Bochum 1957, ließen die Nutzungskonflikte erstmals deutlich erscheinen.«26
Als Anlaufstelle für Nicht-Sesshafte sind die Bahnhöfe aber auch schlicht als überdachte öffentliche Orte attraktiv gewesen, boten sie doch Schutz vor der Witterung. Brunn bemerkt außerdem: »Seit je versammeln sich die Ärmsten der Armen dort, wo für sie etwas vom Tisch fällt. Im ›unordentlichen Milieu‹ geht es großzügiger zu als in der inneren Stadt, wo das Geld ordentlich verdient wird«.27
»Im Hauptbahnhof, dem vielleicht urbansten Ort innerhalb einer Großstadt, tritt man im Schutz der Unverbindlichkeit, die die Anonymität gewährt, dem Fremden und Mannigfaltigen offener gegenüber, empfänglicher als hinter der Gardine des Eigenheims, wo man im Banne eines verbindlichen Milieus steht.«30
Dass diese Auffassung eine stark idealisierte ist, bezeugen beispielsweise die »stummen« Warteschlangen vor den Fahrkartenschaltern. Daneben erfüllt die Öffentlichkeit der Bahnhöfe aber auch repräsentative Funktionen, dies schwingt mit in dem Verständnis des Bahnhofsvorplatzes als »Stadttor«:
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