- 19 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
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sich ihr Wirken von der Mädchenhilfe zu einer allgemeinen Wohlfahrtspflege vor Ort, sie »wurde eine Institution ›dazwischen‹, zwischen dem Verkehrsbetrieb und dem städtischen Leben, zwischen den Schluß- und Öffnungszeiten der Behörden, zwischen dem regulierten Anspruch auf soziale Hilfe und dem freien Fall in Gefährdung und Hoffnungslosigkeit«.25
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Nikles (1994) 13.
Als unbürokratische Anlaufstelle wurden die Bahnhofsmissionen zunehmend zu einer wichtigen Adresse, auch für Hilfe suchende »Nicht-Reisende«. Deshalb stehen sie schon seit Jahrzehnten vor der schwierigen Aufgabe, die Hilfe so zu kanalisieren, dass sie nicht über Gebühr sozial »attraktiv« werden. Die gegenwärtige Diskussion über die Zukunft und die Art des Angebots der Missionen in den Bahnhöfen – in Zeiten einer privatisierten Bahn – wird in Grundzügen schon seit Jahrzehnten geführt:

»Die Entwicklung vieler Bahnhofsmissionen zu wichtigen innerstädtischen Sozialstationen, beginnend etwa Ende der fünfziger Jahre, führte zwangsläufig verstärkt zu Konflikten mit den Bestrebungen und Perspektiven der Deutschen Bundesbahn, die Bahnhöfe ansprechender zu gestalten. Erste grundlegende Modernisierungen, wie in Bochum 1957, ließen die Nutzungskonflikte erstmals deutlich erscheinen.«26

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Nikles (1994) 422.

Als Anlaufstelle für Nicht-Sesshafte sind die Bahnhöfe aber auch schlicht als überdachte öffentliche Orte attraktiv gewesen, boten sie doch Schutz vor der Witterung. Brunn bemerkt außerdem: »Seit je versammeln sich die Ärmsten der Armen dort, wo für sie etwas vom Tisch fällt. Im ›unordentlichen Milieu‹ geht es großzügiger zu als in der inneren Stadt, wo das Geld ordentlich verdient wird«.27

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Brunn/Praeckel (1992) 64.
Der Bahnhof ist also ein öffentlicher Raum voller Widersprüche, ist sozialer Raum, »in dem sich die Zustände der Gesellschaft gleichsam wie in einem Brennglas gebündelt widerspiegeln«.28
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Nikles (1994) 13.
Brunn schreibt 1992: »Es gibt in keiner großen Stadt einen Ort, der so öffentlich ist wie der Bahnhof«.29
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Brunn/Praeckel (1992) 11.
Er begründet dies mit der Zugänglichkeit, diese ist nicht eingeschränkt durch Öffnungszeiten oder Eintrittsgelder. Zudem ist er im Vergleich zu vielen öffentlichen Plätzen oder Straßen ein genau definierter und begrenzter Ort. Laut Bruhn bietet der Bahnhof die Chance einer »unmittelbaren Öffentlichkeit«, erleichtert Interaktion:

»Im Hauptbahnhof, dem vielleicht urbansten Ort innerhalb einer Großstadt, tritt man im Schutz der Unverbindlichkeit, die die Anonymität gewährt, dem Fremden und Mannigfaltigen offener gegenüber, empfänglicher als hinter der Gardine des Eigenheims, wo man im Banne eines verbindlichen Milieus steht.«30

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Brunn/Praeckel (1992) 59.

Dass diese Auffassung eine stark idealisierte ist, bezeugen beispielsweise die »stummen« Warteschlangen vor den Fahrkartenschaltern. Daneben erfüllt die Öffentlichkeit der Bahnhöfe aber auch repräsentative Funktionen, dies schwingt mit in dem Verständnis des Bahnhofsvorplatzes als »Stadttor«:


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