- 23 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
  Erste Seite (i) Vorherige Seite (22)Nächste Seite (24) Letzte Seite (110)      Suchen  Nur aktuelle Seite durchsuchen Gesamtes Dokument durchsuchen     Aktuelle Seite drucken Hilfe 

einige Aktionen beschrieben, die am Hamburger Hauptbahnhof stattfanden. Die letzen beiden genannten nahmen auch direkt auf die Musik-Beschallung Bezug.43
43
Im Folgenden, wenn nicht anders vermerkt, nach Häfele/Sobczack (2003).
Aus Christoph Schlingensiefs Spektakel »Passion Impossible – 7 Tage Notruf« am Deutschen Schauspielhaus ist 1997 die »Mission« hervorgegangen. Unter dem Slogan »Kunst und Suppe« initiierte die »Mission« Diskussionen mit Obdachlosen, Arbeitslosen, Anwohnern und Künstlern, um konkrete Ideen gegen Ausgrenzungspolitik und soziale Kälte zu entwickeln. Neben Informationsveranstaltungen führte die »Mission« auch einige Aktionen durch. Am Hauptbahnhof fand unter dem Slogan »Sicherheit kommt von Innen« eine Aktion statt, die den Passanten ein Gefühl für die alltäglichen Abgrenzungsmechanismen vermitteln sollte, denen Obdachlose dort ständig ausgesetzt sind. Ausgehend von der meist nicht beachteten gesetzlichen Bestimmung, dass das Einkaufen am Bahnhof nach Ablauf der regulären Ladenöffnungszeiten nur Reisenden erlaubt ist, kontrollierten die uniformierten Mitglieder der »Mission« die Fahrausweise der Passanten.44
44
Dieses Gesetz kann in der Praxis sehr wohl als Legimitation für einen Platzverweis unliebsamer Personen genutzt werden, wenn sie keine Fahrkarte vorweisen können.
Nur wenige konnten gültige Fahrkarten vorzeigen, die übrigen wurden vom verkleideten Sicherheitspersonal mit Platzverweisen bedacht, was mit einer »Wiederherstellung der Sicherheit« begründet wurde. Häfele/Sobczack beschreiben die Reaktionen der Passanten:

»Die Kunden in der Wandelhalle reagierten teils entsetzt, teils empört, in der Regel jedoch gehorsam auf die erteilten Platzverweise. Einige versuchten ihre Einkäufe in den Geschäften zurückzugeben, andere waren völlig verstört darüber, festzustellen, wie ein Platzverweis ihnen (den realen Verhältnissen entsprechend) nicht nur das Betreten des Hauptbahnhofs, sondern kompletter innerstädtischer Zonen auf Wochen untersagte.«45

45
Häfele/Sobczack (2003) 80.

Im Februar 2001 wurde in der Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofs von der Gruppe »Urban Panic« die Aktion »Sicherheit jetzt!« durchgeführt, welche die Kontrollszenarien vor Ort gleichzeitig thematisieren und parodieren sollte. Getarnt als fiktive Bürgerinitiative »Sicherheit jetzt!« rückte »Urban Panic« am Hauptbahnhof gleich mit eigenem privaten (uniformierten) Sicherheitsdienst an, der »Mobilen Kamera Einheit« (MKE). Verbal und mit Handzetteln forderte »Sicherheit Jetzt!« eine weitere Verschärfung der Sicherheits-, Ordnungs- und Sauberkeitsmaßnahmen, während die MKE, die mit Walkie-Talkies und Videokameras ausgestattet war, in aufdringlichster Weise Passanten verfolgte und sie permanent filmte. Nachdem die echten Sicherheitsdienste auf die fiktive Bürgerinitiative aufmerksam geworden waren, konnten diese (nach einer kurzen Phase der Verunsicherung) im Gespräch davon überzeugt werden, dass »Sicherheit jetzt!« – ebenso wie die Sicherheitsinstanzen des Bahnhofs – lediglich an der Gewährleistung von Sicherheit und Sauberkeit interessiert sei.

»Nachdem sich der Sicherheitsdienst der Wandelhalle mit der Einsatzzentrale abgesprochen hatte, wurde der MKE sogar die Ausübung des Hausrechts für den Nachmittag überlassen. (...) Trotz der immer aufdringlicher werdenden ›Kontrollmaßnahmen‹ durch die MKE bis hin zur Gepäckuntersuchung


Erste Seite (i) Vorherige Seite (22)Nächste Seite (24) Letzte Seite (110)      Suchen  Nur aktuelle Seite durchsuchen Gesamtes Dokument durchsuchen     Aktuelle Seite drucken Hilfe 
- 23 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum