(um 1990 entstandenen) Einkaufsradios sind letztlich nichts
anderes als Formatradios mit lokal angepassten Werbespots. Die Weise, wie
klassische Musik u. a. am Hbf. Hamburg vermittelt wird, ähnelt in Grundzügen
durchaus dem privaten Formatsender Klassik-Radio. 1990 in Betrieb genommen,
liefert Klassik-Radio mit einem minimalen personalen Aufwand (1998 wurde
das Programm im Hamburger Sendestudio von lediglich acht Mitarbeitern
produziert)29
»Warum ausgerechnet Klassik? Weil Klassik funktioniert! Wie keine andere Musikrichtung vermittelt Klassik ein Gefühl der Entspannung und Ausgeglichenheit, sie relaxt. Diesen Effekt nutzen immer mehr Hörer für ihr persönliches Wohlbefinden und schalten um auf Klassik-Radio. Eine Lebensart.«30 Mit diesem Konzept ist der Sender höchst erfolgreich. Als einziger Privatsender konnte Klassik-Radio seine Sendereichweite in der schwierigen Marktsituation der letzten Jahre deutlich vergrößern.31
Empirische Belege stehen jedoch hier noch aus. Eine relativ neue Form funktioneller Musik sind auch Handy-Klingeltöne. Diese sind ein Beispiel für eine funktionelle Musik, die nichts gemein hat mit Hintergrundmusik, denn im Gegensatz zu dieser drängt sie sich gemäß ihrer Signalfunktion unweigerlich in den Vordergrund. Die Handys und ihre Klingeltöne werden oft als die neuen »akustischen Umweltverschmutzer« schlechthin tituliert, in ihnen kann sich aber auch durchaus kreatives Potential entfalten. In Form einer Signalmelodie ist die Musik hier ganz Zeichen, die genaue Bedeutung ist Privatsache. Die Klingeltöne können auch als akustische Indizien einer »zerstreuten« Öffentlichkeit gewertet werden. Als typische Einsatzgebiete von funktioneller Musik bzw. von Hintergrundmusik im weiteren Sinne |