- 34 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
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(um 1990 entstandenen) Einkaufsradios sind letztlich nichts anderes als Formatradios mit lokal angepassten Werbespots. Die Weise, wie klassische Musik u. a. am Hbf. Hamburg vermittelt wird, ähnelt in Grundzügen durchaus dem privaten Formatsender Klassik-Radio. 1990 in Betrieb genommen, liefert Klassik-Radio mit einem minimalen personalen Aufwand (1998 wurde das Programm im Hamburger Sendestudio von lediglich acht Mitarbeitern produziert)29
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Vgl. Glashoff (1998) 97.
ein durch Werbegelder und Sponsoring finanziertes Klassik-Programm mit weitgehendem Verzicht auf redaktionelle Inhalte in Form etwa von Wortbeiträgen. Auf der Website heißt es zur Idee des Senders:

»Warum ausgerechnet Klassik? Weil Klassik funktioniert! Wie keine andere Musikrichtung vermittelt Klassik ein Gefühl der Entspannung und Ausgeglichenheit, sie relaxt. Diesen Effekt nutzen immer mehr Hörer für ihr persönliches Wohlbefinden und schalten um auf Klassik-Radio. Eine Lebensart.«30

Mit diesem Konzept ist der Sender höchst erfolgreich. Als einziger Privatsender konnte Klassik-Radio seine Sendereichweite in der schwierigen Marktsituation der letzten Jahre deutlich vergrößern.31

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Vgl. Eckhardt (2002) 73–76.
So findet sich die ehemals »typische« funktionelle Musik heute eher anderswo. Recht nahe an der bekannten Klangästhetik der funktionellen Musik ist z. B. oft die aus »Standard-Midi-Files« generierte Musik. Da die Files im Vergleich zu Audio-Dateien nicht sehr groß sind, bieten sie sich beispielsweise für eine Hintergrundmusik von Web-Seiten an. Gleichfalls eine Hintergrundmusik der »virtuellen Räume« ist die Musik der Telefonwarteschleifen. Rösing vermutet eine Informationsvermittlung durch Telefonwarteschleifen auf vier Ebenen:

  1. rein musikalische Sachinformationen
  2. Selbstoffenbarung (Visitenkarte des Unternehmens)
  3. Herstellen einer positiven Beziehungskonstellation
  4. Appellfunktion zur Aufrechterhaltung der Kommunikationsbereitschaft32
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    Vgl. Bruhn/Rösing (1997) 1588.

Empirische Belege stehen jedoch hier noch aus. Eine relativ neue Form funktioneller Musik sind auch Handy-Klingeltöne. Diese sind ein Beispiel für eine funktionelle Musik, die nichts gemein hat mit Hintergrundmusik, denn im Gegensatz zu dieser drängt sie sich gemäß ihrer Signalfunktion unweigerlich in den Vordergrund. Die Handys und ihre Klingeltöne werden oft als die neuen »akustischen Umweltverschmutzer« schlechthin tituliert, in ihnen kann sich aber auch durchaus kreatives Potential entfalten. In Form einer Signalmelodie ist die Musik hier ganz Zeichen, die genaue Bedeutung ist Privatsache. Die Klingeltöne können auch als akustische Indizien einer »zerstreuten« Öffentlichkeit gewertet werden. Als typische Einsatzgebiete von funktioneller Musik bzw. von Hintergrundmusik im weiteren Sinne


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