3M der Geschäftszweig bereits vor über 15 Jahren eingestellt wurde und Phillips
sein Repertoire funktioneller Musik vor einigen Jahren an Universal verkauft hat, wo es
inzwischen als Library-Music zur Verfügung steht. Werkphon (Wete) war nicht mehr
aufzuspüren. Neben den beiden verbleibenden »Rundum«-Anbietern bestimmen seit
Beginn der 90er Jahre vor allem Einkaufsradios sowie kleinere, spezialisierte Anbieter
(z. B. für Aerobic-Musik) den Markt. Wie bei Muzak kommen auch bei DMX Music
heute hauptsächlich Originalaufnahmen zum Einsatz, das Unternehmen wirbt vor allem
mit Vielfalt: »DMX Music bietet über 400 unterschiedliche Musikrichtungen aus aller
Welt«38 .
Neben der Aufgabe »Atmosphäre zu schaffen, wo eigentlich keine ist« (Werbetext der
Firma Muzak), also ein Ambiente zu kreieren z. B. in der Gastronomie oder in
Wartesituationen aller Art (Wartezimmer beim Arzt, Flughäfen usw.), kommen
ihr in der Arbeitswelt und als Kaufhausmusik ganz konkrete Aufgaben zu:
hier soll sie die Produktivität steigern bzw. den Umsatz erhöhen. Erforscht
wurden vor allem die letzten beiden Einsatzgebiete, vermutlich weil für die
anderen Situationen konkrete Indikatoren fehlen, um eine Wirksamkeit zu
überprüfen.39
4.2.2. Musik in der ArbeitsweltNachtschicht in einem Presswerk. In der Fertigungshalle sind Arbeiterinnen und Arbeiter damit
beschäftigt, den maschinellen Produktionsrhythmus aufrecht zu erhalten: riesige Stanzmaschinen
wollen regelmäßig mit Metallplatten gefüttert werden, etwaige Fehlpressungen gilt es sofort zu
entsorgen, damit der Fertigungsprozess nicht zum Erliegen kommt. Ein monotoner Arbeitsablauf
zu später Stunde – zwei Faktoren, die die Aufmerksamkeit der Beschäftigten auf eine harte
Probe stellen, denn ständig drohen Ermüdungserscheinungen und damit ein Leistungsabfall.
Doch plötzlich erklingt Musik und die Müdigkeit ist wie weggeblasen. Die Geräusche der
Maschinen verdichten sich zu einem synkopierten Rhythmus, bald ergänzt durch tonale
Instrumente. Zwei der Arbeiterinnen heben darauf ihre Stimmen zu einem Duett und singen
eine Ode an die »Klapper-Maschine«, während sie sich mit den übrigen Beschäftigten einer
Tanzchoreografie hingeben: »A clatter machine – What a magical sound – And full of noises –
That spins us around«.
Ein derart ästhetisierter Produktionsprozess ist eine Traumsequenz der Arbeiterin Selma in Lars von Triers Film Dancer in the Dark40
»Die Zahl der Beschwerden nimmt ab, Musik wirkt der Seelenlosigkeit der heutigen Industrie- und Bürolandschaft entgegen, es kommt darauf an, daß |