- 36 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
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3M der Geschäftszweig bereits vor über 15 Jahren eingestellt wurde und Phillips sein Repertoire funktioneller Musik vor einigen Jahren an Universal verkauft hat, wo es inzwischen als Library-Music zur Verfügung steht. Werkphon (Wete) war nicht mehr aufzuspüren. Neben den beiden verbleibenden »Rundum«-Anbietern bestimmen seit Beginn der 90er Jahre vor allem Einkaufsradios sowie kleinere, spezialisierte Anbieter (z. B. für Aerobic-Musik) den Markt. Wie bei Muzak kommen auch bei DMX Music heute hauptsächlich Originalaufnahmen zum Einsatz, das Unternehmen wirbt vor allem mit Vielfalt: »DMX Music bietet über 400 unterschiedliche Musikrichtungen aus aller Welt«38 . Neben der Aufgabe »Atmosphäre zu schaffen, wo eigentlich keine ist« (Werbetext der Firma Muzak), also ein Ambiente zu kreieren z. B. in der Gastronomie oder in Wartesituationen aller Art (Wartezimmer beim Arzt, Flughäfen usw.), kommen ihr in der Arbeitswelt und als Kaufhausmusik ganz konkrete Aufgaben zu: hier soll sie die Produktivität steigern bzw. den Umsatz erhöhen. Erforscht wurden vor allem die letzten beiden Einsatzgebiete, vermutlich weil für die anderen Situationen konkrete Indikatoren fehlen, um eine Wirksamkeit zu überprüfen.39
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Eine Ausnahme – allerdings nicht in Bezug auf professionell vertriebene Hintergrundmusik – bildet die die Untersuchung »Musikhörern beim Autofahren«, Motte-Haber (1996) 227–232.

4.2.2.  Musik in der Arbeitswelt

Nachtschicht in einem Presswerk. In der Fertigungshalle sind Arbeiterinnen und Arbeiter damit beschäftigt, den maschinellen Produktionsrhythmus aufrecht zu erhalten: riesige Stanzmaschinen wollen regelmäßig mit Metallplatten gefüttert werden, etwaige Fehlpressungen gilt es sofort zu entsorgen, damit der Fertigungsprozess nicht zum Erliegen kommt. Ein monotoner Arbeitsablauf zu später Stunde – zwei Faktoren, die die Aufmerksamkeit der Beschäftigten auf eine harte Probe stellen, denn ständig drohen Ermüdungserscheinungen und damit ein Leistungsabfall. Doch plötzlich erklingt Musik und die Müdigkeit ist wie weggeblasen. Die Geräusche der Maschinen verdichten sich zu einem synkopierten Rhythmus, bald ergänzt durch tonale Instrumente. Zwei der Arbeiterinnen heben darauf ihre Stimmen zu einem Duett und singen eine Ode an die »Klapper-Maschine«, während sie sich mit den übrigen Beschäftigten einer Tanzchoreografie hingeben: »A clatter machine – What a magical sound – And full of noises – That spins us around«.

Ein derart ästhetisierter Produktionsprozess ist eine Traumsequenz der Arbeiterin Selma in Lars von Triers Film Dancer in the Dark40

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Dancer in the Dark, Regie: Lars von Trier, Dänemark/Schweden/Frankreich 2000.
und vermutlich ein Albtraum für die Anbieter funktioneller Musik, denn Selmas Traum endet abrupt mit einem Produktionsfehler, der nicht nur den gesamten Prozess zum Erliegen bringt, sondern auch eine Stanzmaschine zerstört. Für die Berieselungsindustrie fungiert Musik als Mittel zur Leistungssteigerung, auch wenn ästhetische Aspekte gelegentlich zur Legitimation herangezogen werden, wie beispielsweise in diesem Werbetext:

»Die Zahl der Beschwerden nimmt ab, Musik wirkt der Seelenlosigkeit der heutigen Industrie- und Bürolandschaft entgegen, es kommt darauf an, daß


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