- 37 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
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eine fröhliche und bewegte Stimmung herrscht. Die Musik schafft eine Atmosphäre, die die Eintönigkeit der Fließbandarbeit oder des grauen Büroalltags buchstäblich überspielt.«41
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Aus der Broschüre einer ungenannten musikvertreibenden Firma, zitiert nach Motte-Haber (1996) 226.

Musik in der Arbeitswelt ist kein neues Phänomen, doch durch die Möglichkeiten ihrer technischen Reproduzierbarkeit eröffneten sich vormals ungeahnte Dimensionen einer rationalistischen Funktionalisierung. Die oben beschriebene Filmsequenz verweist durchaus auf die Tradition der Arbeitslieder. Der Musikwissenschaftler Ernst Klusen unterscheidet:

  1. Lieder aus der Arbeit, »echte Arbeitslieder«
  2. Lieder zur Arbeit, »unechte Arbeitslieder«
  3. Lieder über die Arbeit42
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    Vgl. Klusen (1967) 306f.

Erstere entspringen dem Bedürfnis der Arbeitenden selbst, thematisieren Arbeitsinhalte in einer rhythmischen Form, die monotone Bewegungsabläufe koordinieren soll (Beispiele: Handwerkslieder, Lieder der Wolgaschlepper, Dreschlieder usw.). Die zweite Gruppe bezeichnet an die Arbeit herangetragene, bereits bestehende Lieder, deren Rhythmus den Bewegungsabläufen angepasst wird (Beispiele: Worksongs, Blues, Spirituals). Die dritte Gruppe ist nicht Teil des Arbeitsprozesses selbst, sondern wird typischerweise von Liedermachern geschrieben, die sich mit den Arbeitenden solidarisieren (z. B. von Woody Guthrie, Pete Seeger), gehören also zur Arbeiterbewegung. Arbeitslieder (der ersten und zweiten Gruppe) wurden weitgehend verdrängt durch industrielle Produktionsbedingungen (insbes. das Fließband), bei denen der Arbeitsrhythmus bereits durch Maschinen vorgegeben ist, und der allgemeine Lautstärkepegel das Singen unmöglich macht. Die Arbeitslieder erfüllten zwar bestimmte Funktionen, doch sie als funktionelle Musik zu bezeichnen, ergäbe ein verzerrtes Bild.43

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Dieser Vergleich ist jedoch in Werbebroschüren der Berieselungsindustrie in der Vergangenheit des öfteren herangezogen worden. Vgl. z. B. Fehling (1976) 22f.
Fehling benennt einige grundlegende Unterschiede:

  1. Arbeitslieder entstanden aus den Bedürfnissen der Arbeiter heraus, diese werden jedoch von funktioneller Musik ignoriert.
  2. Die Arbeitslieder sind auf die Arbeit zugeschnitten, während durch funktionelle Musik die Arbeiter selbst auf die Arbeit zugeschnitten werden sollen (»human engineering«).
  3. Die Arbeitslieder bilden ein Kommunikationsmedium für die Arbeiter, während funktionelle Musik Kommunikation zugunsten gesteigerter Effizienz zu unterbinden hilft.
  4. Damit befördert funktionelle Musik die »Automation« der Arbeiter, sie werden zum »Appendix der (Musikabspiel-)Maschinen«.

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