eine fröhliche
und bewegte Stimmung herrscht. Die Musik schafft eine Atmosphäre, die die
Eintönigkeit der Fließbandarbeit oder des grauen Büroalltags buchstäblich
überspielt.«41
Musik in der Arbeitswelt ist kein neues Phänomen, doch durch die Möglichkeiten ihrer technischen Reproduzierbarkeit eröffneten sich vormals ungeahnte Dimensionen einer rationalistischen Funktionalisierung. Die oben beschriebene Filmsequenz verweist durchaus auf die Tradition der Arbeitslieder. Der Musikwissenschaftler Ernst Klusen unterscheidet:
Erstere entspringen dem Bedürfnis der Arbeitenden selbst, thematisieren Arbeitsinhalte in einer rhythmischen Form, die monotone Bewegungsabläufe koordinieren soll (Beispiele: Handwerkslieder, Lieder der Wolgaschlepper, Dreschlieder usw.). Die zweite Gruppe bezeichnet an die Arbeit herangetragene, bereits bestehende Lieder, deren Rhythmus den Bewegungsabläufen angepasst wird (Beispiele: Worksongs, Blues, Spirituals). Die dritte Gruppe ist nicht Teil des Arbeitsprozesses selbst, sondern wird typischerweise von Liedermachern geschrieben, die sich mit den Arbeitenden solidarisieren (z. B. von Woody Guthrie, Pete Seeger), gehören also zur Arbeiterbewegung. Arbeitslieder (der ersten und zweiten Gruppe) wurden weitgehend verdrängt durch industrielle Produktionsbedingungen (insbes. das Fließband), bei denen der Arbeitsrhythmus bereits durch Maschinen vorgegeben ist, und der allgemeine Lautstärkepegel das Singen unmöglich macht. Die Arbeitslieder erfüllten zwar bestimmte Funktionen, doch sie als funktionelle Musik zu bezeichnen, ergäbe ein verzerrtes Bild.43
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