- 38 -Klußmann, Jörg: Musik im öffentlichen Raum 
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  • Erreicht werden soll bei der funktionellen Musik bestmögliches »Funktionieren« der Arbeiter selbst, kritisches Potential (wie etwa bei den Worksongs) soll durch eine allg. »Harmonisierung« unterbunden werden.44
    44
    Vgl. Fehling (1976) 23f.
  • Die Geschichte funktional eingesetzter Musik in der Arbeitswelt beginnt jedoch nicht erst mit ihrer technischen Vermittelbarkeit. Dokumentiert sind verschiedene Vorläuferformen, die sich dadurch auszeichnen, dass Musik von außen bewusst in die Arbeitssituation eingebracht wird, um die Leistung zu steigern. Zu nennen wären die Funktionalisierung von Musik in europäischen Manufakturen im 15. Jahrhundert45

    45
    Vgl. Grabel (1923) 303f.
    und die Versuche jesuitischer Missionare (Mitte 17. Jh.), mit Musik die Abneigung der Indios manuellen Tätigkeiten gegenüber zu überwinden46
    46
    Vgl. Lebo (1955) 66f.
    . Ebenso in diesen Zusammenhang fallen die »ragtime-laundries«47
    47
    Vgl. Uhrbrock, R.: Music on the job, Its influence on worker moral and production. Personal Psychology, 14, 1961, S. 9–38.
    (um 1900) und jene Bands, die in den 1920ern durch amerikanische Betriebe zogen und dort für Unterhaltung sorgten.48
    48
    Vgl. Motte-Haber (1996) 220.
    Etablieren konnte sich die Musik am Arbeitsplatz jedoch erst in den 1930er Jahren, als die Möglichkeiten der Verbreitung und technischen Reproduktion ausgereifter waren. Insbesondere die Firma Muzak, der »Mutterkonzern« der Berieselungsindustrie (s. u.), sorgte seit ihrer Gründung im Jahre 1934 für eine Verbreitung im großen Stil. Kurz vorher, in den 1920er Jahren, waren die ersten Studien zu diesem Thema erschienen, etwa die »Hawthorne«-Studie zum Musikeinsatz in den gleichnamigen Werken.49
    49
    Diese und weitere frühe Studien zum Thema Musik und Arbeit finden sich zusammengefasst bei Lundin, R: An objective psychology of music. Malabar, Florida 1985.
    Fast alle frühen Untersuchungen scheinen nahe zu legen, dass es sich mit Musik besonders gut arbeiten lässt, und gleichzeitig die Produktivität erhöht wird, bei monotonen Tätigkeiten sogar um bis zu 17 %.50
    50
    Vgl. Motte-Haber (1996) 221.
    Uhrbrock benennt fünf Kategorien von Studien, die sich mit den Effekten von Musikberieselung in der Arbeitswelt beschäftigen:51
    51
    Uhrbrock, R., a.a.O., zit. nach Rösing/Bruhn (1997) 1585.

    1. populäre wissenschaftliche Einzelfallberichte ohne exakte Belege
    2. interessengeleitetes Werbematerial der Hersteller und Vertreiber von funktioneller Musik
    3. Meinungsumfragen bei Arbeitnehmern
    4. von amtlichen Stellen in Auftrag gegebene Arbeiten
    5. wissenschaftliche Analysen von Labor- und Feldstudien

    In den neueren, unabhängigen Studien werden die angeblichen Vorteile der Musikberieselung relativiert bzw. es wird sogar gezeigt, dass sich bei komplexeren Aufgabenbereichen Musik sogar kontraproduktiv auswirken kann.52

    52
    Vgl. z. B.: Madsen, C.K.: Background music: competition for focus of attention. In Madsen, C.K./Pricket, P. (Hg.): Applications of research in music behaviour, Tusacaloo, University of Alabama, 1987, S. 315–325.
    Aufgrund dieser

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