- 54 -Lehmann, Silke: Bewegung und Sprache als Wege zum musikalischen Rhythmus 
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4.5.2.  Subjekt- und Objektrhythmus im Zusammenhang mit musikalischem Rhythmus

Schon Abschnitt 4.4.5 hatte darauf hingewiesen, dass innerhalb von musikalischer Betätigung Zeitmuster vorgegeben sind (der Rhythmus der musikalischen Gestalten), die von Bewegungsrhythmen realisiert werden. Der Musikrhythmus kann in diesem Zusammenhang als Objektrhythmus bezeichnet werden. Auf der ausführenden Seite ergibt sich aus dem Ablauf der muskulären Gestaltung durch den Organismus ein weiterer Objektrhythmus, Subjektrhythmus ist wiederum die individuell-interpretierende Ausführung des Musikrhythmus:

individuelle Gestaltung = Subjektrhythmus
körperliche Realisierung=Objektrhythmus
Musikrhythmus=Objektrhythmus

Die musikpädagogische Praxis zeigt immer wieder, wie schwierig sich der Weg zu einem stimmigen Subjektrhythmus (der Realisation, also der erklingenden Interpretation) gestalten kann. Im günstigsten Fall gibt es auf der ›untersten‹ Stufe des Objektrhythmus keine Probleme: der auszuführende Rhythmus ist bekannt oder wird von der Lehrperson zur Imitation vorgegeben. Somit kann die nächste Stufe des Objektrhythmus realisiert werden: die motorische Ausführung mittels Muskelaktivität. Wie im Abschnitt 4.4.1 schon ausgeführt, stellen feinmotorische Bewegungen gerade für Kinder – aber auch für ungeübte Erwachsene – eine große Herausforderung dar. Allein die Realisierung durch Bewegungssteuerung bietet also reichlich Fehlerpotenzial; motorische Defizite können die geglückte Darstellung eines Rhythmus erschweren oder gar verunmöglichen.

Unter günstigen Umständen bereitet die motorische Umsetzung des Musikrhythmus mit Instrument oder Stimme keinerlei Probleme, in diesem Fall ist eine individuelle Ausgestaltung individueller Nuancen hinsichtlich der Betonungsstruktur, der Schärfe von Punktierungen, eventueller Rubati, der Tempi oder der Artikulation denkbar. Im Sinne von intrapersoneller Kommunikation können diese Gestaltungsmittel umgekehrt wiederum helfen, den Objektrhythmus besser zu erfassen und auch bewältigen zu können: eine sinnvolle Betonungs- oder Phrasierungsstruktur ist hilfreich für das Erfassen, aber auch die Wiedergabe von Rhythmen. Kapitel 5


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