- 64 -Probst-Effah, Gisela (Hrsg.): Musikalische Volkskultur und elektronische Medien 
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herausgreifen und damit eine drastische Reduktion der eingehenden Daten zulassen. Das Ergebnis sind somit psychoakustisch gefilterte Aufnahmen.24

Schüller, Dietrich: Technik A/V Geräte. In: Sommerakademie Volkskultur 1992: Musik. 22.8.–4.9.1992 in Altmünster/Gmunden. Dokumentation, hg. v. Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung u. a. Wien 1992. S. 111–114; Blöchl (wie Anm. 20), bes. S. 110f.-->

24   Schüller, Dietrich: Technik A/V Geräte. In: Sommerakademie Volkskultur 1992: Musik. 22.8.–4.9.1992 in Altmünster/Gmunden. Dokumentation, hg. v. Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung u. a. Wien 1992. S. 111–114; Blöchl (wie Anm. 20), bes. S. 110f.

Effektiv haben wir damit trotz allen technischen Niveaus eine Aufnahmetechnik vor uns, die in der Aussteuerung wie in der Nachbearbeitung nun gleichfalls die Eingriffsmöglichkeiten perfektioniert. Somit erreicht eine Entwicklung ihren vorläufigen Höhepunkt, die bereits die Schallplattenproduktion zunehmend prägte: Mit den wachsenden Möglichkeiten der Bearbeitung der eingehenden Signale stieg der Einfluss von Produzenten, Aufnahmeleitern und Toningenieuren als neuen Zwischeninstanzen gewaltig an. Sie traten sozusagen als nichtmusizierende Interpreten hinzu. Somit kann jede Tonaufnahme potentiell aus dem Status eines Mediums in den Status eines Interpreten der jeweiligen musikalischen Realisation wechseln. Mit den Möglichkeiten der Digitaltechnik sind solche interpretativen Eingriffe für den Hörer in der Regel nicht mehr wahrnehmbar.

Ich möchte nun an diesen Blick auf die dokumentarische Qualität der Aufnahmetechniken samt den sie begleitenden Maßnahmen zwei Überlegungen anschließen.

Erkenntnistheoretische Ansprüche und wahrnehmungspraktische Konsequenzen

Zum Ersten

Nun sind die gestiegenen Manipulationsmöglichkeiten nicht eigentlich ein Problem für wissenschaftliche Aufnahmen. Denn forschungslogisch stellt die Aufzeichnung mit technischen Geräten nur eine Sonderform des Protokollierens dar, das auf dem Umweg indirekter oder instrumentell vermittelter Beobachtung geschieht.25

Baumann (wie Anm. 3) S. 36.-->

25   Baumann (wie Anm. 3) S. 36.

Bedeutsam sind in diesem Zusammenhang jedoch die erkenntnistheoretischen Probleme der Wahrnehmung. Um diese Probleme halbwegs in den Griff zu bekommen, unterscheidet man systematisch zwei Beobachtungsebenen, die sich besonders im ethnologischen Bereich des Fremdverstehens verdeutlichen lassen. Ein möglicher Zugang zur Fremderkenntnis vollzieht sich darüber, dass der Beobachter schon während seiner Beobachtung alle fremden Erscheinungen nach eigenen Kriterien klassifiziert, wie sie im wesentlichen in seiner Kultur vorgebildet sind. Dies ist die notative Beobachtungsebene. Ihr zur Seite steht die intentionale Beobachtungsebene, bei der sich der Beobachter nun möglichst zurücknimmt und versucht, die interessierenden Beobachtungsinhalte in Begriffen und in der Denkweise der anderen Kultur zu erfassen. Beide Beobachtungsebenen sollten idealiter komplementär verwendet werden. Diese Konzeption hat für den wissenschaftlichen Umgang mit Aufzeichnungstechniken eine Reihe von Konsequenzen:
  • Erstens sollte der Forscher die Aufzeichnung möglichst wenig beeinflussen, womit Manipulationen über das für die Aufzeichnung erforderliche Maß bei audiovisuellen Aufnahmen grundsätzlich abgelehnt werden.


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