- 66 -Probst-Effah, Gisela (Hrsg.): Musikalische Volkskultur und elektronische Medien 
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entwickelten sich zwei Wege. Der eine Weg verfolgt das Ziel einer möglichst ganzheitlichen Dokumentation. Hier bieten die visuelle Aufzeichnung und insbesondere die Einführung des synchronen Tonfilms sowie der Videotechnik nun eine deutlich befriedigendere Lösung. Denn mit diesen Techniken können die akustischen Vorgänge zusammen mit dem visuell registrierbaren Kontext festgehalten werden. Damit ergibt sich wesentlich dichteres und informativeres Quellenmaterial, wobei man bei versierter Handhabung näher an die Akteure herankommt als ein geschickter Beobachter (etwa durch Zoomen; auch durch schnelleres oder langsameres Abspielen der Aufnahme).28

Vgl. hierzu die Literaturangaben in Anm. 27. – Andererseits darf der Informationsgewinn mithilfe akustischer Dokumente gegenüber nur schriftlichen Dokumenten nicht vergessen werden. Ein eindringliches Beispiel hierzu liefert Hubert, Rainer: Methodenprobleme und Techniken der auditiven Dokumentation der Geschichte der Arbeiterbewegung. In: Gerhard Botz / Josef Weidenholzer (Hg.): Mündliche Geschichte und Arbeiterbewegung. Eine Einführung in Arbeitsweisen und Themenbereiche der Geschichte »geschichtsloser-->

28   Vgl. hierzu die Literaturangaben in Anm. 27. – Andererseits darf der Informationsgewinn mithilfe akustischer Dokumente gegenüber nur schriftlichen Dokumenten nicht vergessen werden. Ein eindringliches Beispiel hierzu liefert Hubert, Rainer: Methodenprobleme und Techniken der auditiven Dokumentation der Geschichte der Arbeiterbewegung. In: Gerhard Botz / Josef Weidenholzer (Hg.): Mündliche Geschichte und Arbeiterbewegung. Eine Einführung in Arbeitsweisen und Themenbereiche der Geschichte »geschichtsloser« Sozialgruppen. Wien/Köln 1984. S. 407–421, hier S. 413f.

Allerdings kann auch dieses Material das subjektive Miterleben der Realsituation nicht ersetzen. Und im Gefolge der selbstreflexiven Wende in der Anthropologie und Ethnographie29

Eine konzise Darstellung dieser Neuorientierung liefert Kohl, Karl-Heinz: Ethnologie – die Wissenschaft vom kulturell Fremden. Eine Einführung. München 1993. S. 162–166.-->

29   Eine konzise Darstellung dieser Neuorientierung liefert Kohl, Karl-Heinz: Ethnologie – die Wissenschaft vom kulturell Fremden. Eine Einführung. München 1993. S. 162–166.

sowie der Etablierung konstruktivistischer Positionen gewann die Auffassung Anhänger, dass auch die elaborierteste audiovisuelle Aufzeichnung kein objektives Zeugnis der tatsächlich sich vollziehenden Vorgänge und Ereignisse sein kann. Deshalb wählt der zweite Weg aus dem Objektivitätsdilemma eine andere Strategie: Viele Vertreter des reflexiven Forschungsansatzes stellen sich Kulturformen nicht mehr als hinreichend objektiv beobachtbar vor. Infolgedessen tendieren sie dazu, Musik nicht mehr primär bzw. ausschließlich aufnahmetechnisch zu erfassen, sondern sich selbst die zu untersuchende Musikkultur lernend anzueignen – im persönlichen Kontakt mit sachkundigen Vertretern des jeweiligen Kulturmilieus.30

Siehe hierzu exemplarisch: Cooley, Timothy J.: Casting Shadows in the Field. In: Barz/Cooley (wie Anm. 7) S. 3–19, insbes. S. 17 sowie als plakative Beispiele aus der Feldforschung Rice, Timothy: Toward a Mediation of Field Methods and Field Experience in Ethnomusicology. In: Barz/Cooley (wie Anm. 7) S. 106–122 und Kippen, Jim / Bel, Berhard: Linguistic Study of Rhythm: Computer Models of Tabla Language. In: ISTAR 2 (1984) S. 28–33.-->

30   Siehe hierzu exemplarisch: Cooley, Timothy J.: Casting Shadows in the Field. In: Barz/Cooley (wie Anm. 7) S. 3–19, insbes. S. 17 sowie als plakative Beispiele aus der Feldforschung Rice, Timothy: Toward a Mediation of Field Methods and Field Experience in Ethnomusicology. In: Barz/Cooley (wie Anm. 7) S. 106–122 und Kippen, Jim / Bel, Berhard: Linguistic Study of Rhythm: Computer Models of Tabla Language. In: ISTAR 2 (1984) S. 28–33.

Zum Zweiten

Die gestiegenen Manipulationsmöglichkeiten der Aufnahmetechniken stellen auch in anderer Hinsicht ein für die Forschung relevantes Problem dar. Das erreichte Qualitätsniveau der Aufnahmen führt in Kombination mit der zunehmend leichteren Handhabung der Steuerungsmöglichkeiten und mit der Popularisierung solcher Geräte und Dienstleistungen zu einem reichhaltigen Marktangebot an persönlich oder privatwirtschaftlich produzierten Tonträgern. Solche Tonträger sind von der Forschung sinnvollerweise als potentielle Quellen in Betracht zu ziehen. Dabei bleibt jedoch mehrheitlich der Kontext der Produktion und der Klanggestaltung unbekannt. Folglich steht die Forschung hier vor einem heiklen Problem der Quellenanalyse.

Abgesehen davon wirken diese Tonträgerproduktionen im Zusammenspiel mit den modernen Medien Rundfunk, Fernsehen etc. und der Entwicklung immer


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