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würden dann
noch hinzukommen. Während er Strophe um Strophe sang, produzierte draußen der
Dichter ständig neue Verse – fünf Künstlerkollegen (Angehörige unterschiedlicher
Ethnien und Kasten) erprobten und diskutierten die frischen Werke. Begum Gandharba
wurde ständig mit neuen Texten beliefert. Er ist einer der prominentesten Vertreter
seiner Kaste in der Musikindustrie, was nicht zuletzt auf seine Schreibkenntnisse
zurückzuführen ist. Bei dieser Produktionsweise muss man unbedingt lesen
können.9
Die Melodie wurde nicht notiert, die indische Saregama-Solmisation ist bei Gandharbas
nicht üblich. Bei Studioaufnahmen und Konzerten wird meist keine Improvisation riskiert.
In anderem Kontext ist aber poetische Improvisation ein beliebtes Spiel. Ich habe informelle
Situationen spontanen Lieddichtens erlebt, in denen es nicht stört, wenn der Gesang einmal
ins Stocken gerät. Profis präsentieren sich jedoch sogar im nepalesischen Fernsehen als
poetische Improvisationskünstler, wobei ihnen AssistentInnen zur Seite stehen. Der Anteil
völliger Neudichtung ist dabei gleichfalls gering. – Peter Manuel beschreibt Situationen
nordindischer Studioaufnahmen und unterscheidet dabei zwei Grundtypen: Entweder nehmen
Volksmusikanten ihre Lieder quasi eins zu eins auf, wie es einer Live-Performance entspricht,
meist mit rudimentärer Instrumentation, häufig nur Perkussion und Harmonium; oder es
werden in aufwändigeren und kostenintensiveren Produktionen Studiomusiker hinzugezogen
und Arrangements erarbeitet, teilweise dabei auch Texte verändert (erweitert, geglättet und
bereinigt von Obszönitäten); ein Produzent übernimmt eine leitende Rolle. Manuel stellte fest,
dass solche medialisierten Versionen auf die populäre Musikpraxis zurückwirken (Manuel 1993,
S. 168).-->
Der moderne Verfasser von Gandharba-Liedern präsentiert sich folgerichtig auch gerne in der Pose des Dichters mit dem Schreibgerät in der Hand. Begum Gandharba interpretiert mit Vorliebe tragische Neuigkeiten wie das Massaker vom 1. Juni 2001.
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