- 75 -Probst-Effah, Gisela (Hrsg.): Musikalische Volkskultur und elektronische Medien 
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Gandharba-Musiker besaßen einst als wandernde Zeitungen eine mediale Funktion, die sie inzwischen im Wettstreit mit modernen Medien eingebüßt haben (Hoerburger 1975, S. 33f.; Weisethaunet 1998, S. 20; Moisala 2000, S. 698). In Karkha-Liedern (Weisethaunet 1998, S. 313–322) wurden historische Ereignisse und Heldentaten besungen. Anfang der neunziger Jahre stellte Weisethaunet am lokalen Kassettenmarkt von Kathmandu einen Trend zur Politisierung von Kharka-Liedern fest. Zum Beispiel wurde der Mord an einem beliebten kommunistischen Politiker besungen (Weisethaunet 1998, S. 320ff.). So wie die vagierenden Nachrichtensänger im Kastensystem ganz unten stehen, rangieren auch Kassetten mit »journalistischen« Liedern, meist Moritaten, in der Hierarchie der Medien an unterster Stelle. Wie Tageszeitungen besitzt eine solche aktuelle Berichterstattung nur geringe Haltbarkeit. Bukun hat mir das Karkha-Genre erläutert, indem er die von seinem Neffen vorgelesene Zeitungsmeldung über ein Kind, das von einer Bombe getötet worden war, zu einer überlieferten Melodie mit Sarangi-Begleitung vortrug. In diesem Fall ist der Sänger bereits das sekundäre Medium. Moritaten waren auf der Homepage des Labels Music Nepal (http://www.musicnepal.com) im Jahr 2004 noch unter der Rubrik Reality zu finden. Es werden solche Lieder zwar weiterhin produziert, nur existiert diese bemerkenswerte Kategorie nicht mehr. Meist sind Moritaten rasch vergriffen. Zu diesem Genre werden verständlicherweise keine Videos produziert. Lieder über Mord und Totschlag sind in der Gegenwart weniger beliebt, da die Nachrichten voll sind von tragischen Meldungen.

Ein verwandtes Genre stellen die Lahure-Lieder dar, die das tragische Schicksal von Gurkha-Soldaten behandeln. Der Söldnerdienst in fremden Armeen war eine wichtige Devisenquelle Nepals und bescherte armen Bergregionen neben bescheidenem Wohlstand auch großes Leid. Der berühmteste Sänger dieses Stils war Jhalakman Gandharba (1935–2003).10

Siehe Weisethaunet 1998; weiters http://www.spinybabbler.org/performing\_arts/personalities/personalities.php?id=jhalak\_man.htm; Peshal Pokhrel: Immortal Strings. In: Nepali Times, 19–25 December 2003;
http://www.nepalnews.com/ntimes/issue175/nepali\_society.htm; http://www.nepalnews.com.np/contents/englishdaily/ktmpost/2003/feb/feb07/local.htm.-->


Er wurde 1967 als erster Unberührbarer beim staatlichen Sender Radio Nepal (gegründet 1951) angestellt. Damit war er von einem verachteten Bänkelsänger zum nationalen Künstler aufgestiegen, wenn auch sein medialer Erfolg ihm keineswegs Reichtum bescherte. Im Februar 2003 wurde er für seine Verdienste um die Kultur Nepals im Rahmen des »ersten Sarangi-Tages« gewürdigt.11

http://www.nepalnews.com.np/contents/englishdaily/ktmpost/2003/feb/feb07/local.htm; Radio Nepal organisierte bereits 1952 einen Sarangi-Wettbewerb. Im Zuge einer solchen (Weisethaunet 1998, S. 129).-->

11   http://www.nepalnews.com.np/contents/englishdaily/ktmpost/2003/feb/feb07/local.htm; Radio Nepal organisierte bereits 1952 einen Sarangi-Wettbewerb. Im Zuge einer solchen Veranstaltung wurde Jhalakman »entdeckt« (Weisethaunet 1998, S. 129).

Kurz vor seinem Tod am 22. November 2003 wurde er mit nationalen Auszeichnungen geehrt; danach erschienen in allen nepalesischen Tageszeitungen Nachrufe. Sein berühmtestes Lied He Barai hatte er schon als Kind von seinem Vater gelernt. Der Sänger tritt darin als der Überbringer der Todesnachricht der Familie des Gefallenen gegenüber. Noch zu Lebzeiten wurde dazu eine Video-DVD herausgebracht.

Jede erfolgreiche Aufführung eines Lahure-Liedes rührt das Publikum zu Tränen. Der Genuss besteht für die Zuhörer im Weinen. Bei diesem Ritual kollektiver Trauer ermöglicht die Allgemeinheit und die Ungenauigkeit der poetischen Formulierung


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