- 67 -Schläbitz, Norbert: Mit System ins Durcheinander  
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die Rezeptionsformen und Interpretationskategorien der Vergangenheit verpflichtet wird, und es weiter ...
  • eine Zumutung sein sollte, dass die musikwissenschaftlichen Institutionen sich dem im breiten Umfang entfaltenden vitalen Musikleben der Gegenwart weit mehr als bisher öffneten und dieses mit zeitgemäßem Analyseinstrumenten wissenschaftlich aufarbeiteten, und es ...
  • eine Zumutung sein sollte, dass auch die Musikinstrumente der Gegenwart Würdigung und gleichberechtigt Eingang finden in die Welt der Hochschulen, ...
  • . . . dann sollte man den Zumutungen offen entgegenblicken, denn an diesen Orten verschränken sich Tradition mit Gegenwart, da im Öffnen und Begegnen mit der Tradition kritische Reflexionszonen zu beiden Seiten geschaffen werden. Öffnen beschreibt nicht das Ersetzen tradierter Wissenschaft oder das über Bord Werfen der musikalischen Vergangenheit, ein Öffnen meint die längst fällige Ergänzung des einen wie anderen. Zu lernen, was ein Werk sei, und es zugleich als Fragment zum Weiter-Werkeln zu verstehen, sind sodann unter einem Dach vermittelte Gegensätze, die nicht in der Aporie enden, sondern die sich konstruktiv gegenüberstehen. Das Kontroverse, das sich komplementär versteht, kann so nach allen Seiten wirken und allzu gefällige Selbstgewissheiten vermeiden helfen. Veränderungen in Teilen der Musikinstitutionen geben zu Hoffnungen Anlass.

    Finscher plädiert schlussendlich für eine wehrhafte Musikwissenschaft, »die ihren Teil dazu beiträgt, daß die Zerstörung unserer kulturellen Grundlagen und Werte – zu denen auch und ganz besonders unsere Universitäten gehören – nicht immer weiter fortschreitet« (ebd.: 17) und verkennt, dass der Erhalt kultureller Grundlagen und Werte sich gerade auch dadurch auszeichnet, dass sie der Gegenwart in ihrer besonderen Situation sich als gegenwartsbezogen bzw. anpassungsfähig erweisen und sich nicht allein der Vergangenheit und ihrer Tradition verpflichtet fühlen. Wo Kunst und Institutionen dem nicht gewachsen sind, ist das Moment der Selbstzerstörung angelegt. Tradition lebt in ihrer Veränderung und verödet als »Objekt« der Denkmalspflege.

    Enden möchte ich diesen Exkurs mit einem Zitat von Eggebrecht, das – aus dem Kontext gebrochen – auch für das hier Gesagte gleichwohl stimmig ist. Eggebrecht stellt wie Finscher beunruhigt fest, dass in der musikwissenschaftlichen Forschung ein Kommen und Gehen zu beobachten ist.

    Im Zentrum gegenwärtiger Forschung stehe die Musik des 19. und 20. Jahrhunderts, die lange vernachlässigt wurde. Auch Eggebrecht stellt, genau wie Finscher, eine Verlustrechnung auf. Daraus leitet er aber nicht Resignation, sondern berechtigte Hoffnungen ab: Zunächst einmal schafft jedes »Vergehen den Raum [. . . ] für ein


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