Gegenstand«
(Ingarden 1962: 27)) als gleichwohl dauerhaft Währendes vergegenständlicht. Die
Notation beschreibt die Rahmung, innerhalb dessen ein Werk sich entfaltet wie
beschränkt. Ein Werk muss so Anfang, Mitte und ein voraussehbares zeitlich limitiertes
Ende haben, um ein Ganzes bilden zu können. »Somit ist das Werk ein geschlossener
Ablauf, innerlich gegliedert, mit einem bestimmten zeitlichen Ausmaß, das in einzelnen
Aufführungen leicht modifiziert wird« (ebd.: 9). Dazu gehört auch eine »stilistische
Homogenität«, die Werkmusik auszeichnet. »Wenn auch nicht alle Werke in ihren
stilistischen Eigenschaften originell waren, waren sie doch strukturell mehr oder weniger
einheitlich geschlossen, und ›fremde Einschiebsel‹ waren nicht offensichtlich, sondern
eher verborgen« (ebd.: 33f.). Eine Orientierung an Konstruktionsnormen ist der
Werkidee – in einer individuellen Auslegung – wesentlich (vgl. ebd.: 9). Der Zufall bzw.
aleatorische Momente sind dem Werk grundsätzlich fremd. An diesen Punkten kann die
Rekonstruktionsarbeit und damit eine wertsetzende Urteilsarbeit ansetzen,
die unter dem Etikett der Objektivität firmiert. Bei einer Aufführung eines
musikalischen Werkes wird – wenn des Werkes und seiner Qualitäten sodann
gedacht wird – so von den realen Begebenheiten, von allem Individuellen dieser
Aufführung abstrahiert, sodass am Ende »ausschließlich die reinen Qualitäten der
Tongebilde« sich herauskristallisieren (Ingarden 1962: 38). Trotz aller gesellschaftlichen
Veränderungen in der Zeit und daraus divergierenden Rezeptionsweisen sieht
Lissa daher die Möglichkeit einer Höreinstellung, die als »richtige Haltung« zu
benennen ist (Lissa 1975: 3). So wird vom intentionalen Gegenstand auf das dem
verobjektivierten Werk gegenüber stehende unsichere Pendant – den Hörer –
rückgeschlossen und eine Idealität beschworen, anhand derer er sich zu orientieren
habe.
Das eigentliche Werk wird zwar als »überzeitlich« verstanden, beginnt aber erst mit
Abschluss der Schreibarbeit zu existieren. »Das Werk ist endgültig beendet, es ist fertig,
geschlossen, wenn es in der Notation fixiert wird. Seit diesem Augenblick erst kann seine
historische Existenz beginnen, seine soziale Verbreitung, seine Konkretisierung, durch die
es die Abnehmer erreicht« (Lissa 1975: 15).