extramundanen Standort voraussetzt, den man bestenfalls einer göttlichen, über der
Welt schwebenden Instanz konzedieren kann, aber nicht dem Beobachter in der
Welt.
Zu glauben, von allen erfahrungsgeprägten Vorurteilen (wissenschaftlichen Modellen,
persönlichen Erfahrungen, tradierten, gängigen impliziten und expliziten Zugangsweisen
und Setzungen) Abstand nehmen zu können, führt zuletzt zu einer Haltung, die dem
Solipsismus – wie Husserl in der Literatur mehrfach vorgehalten wurde – nicht mehr fern
steht, wo das Wesen – losgelöst von allen äußeren Gegebenheiten – allein durch
sinngebende Bewusstseinsprozesse konstituiert sein soll und das Bewusstsein frei von
allen prägenden Erfahrungen gedacht werden soll. (vgl. Husserl 1997: 75–83,
122–152, 186–212; vgl. Röd 1996: 424–431; vgl. Coreth/Ehlen/Haffner/Ricken
21993: 14–23; vgl. Held 2001: 730–744). »Husserl hat das Dilemma durchaus
gespürt, in das er durch seine konsequente Strategie der De-Empirisierung, der
Ausklammerung der Erfahrungstatsachen bzw. der Sinnlichkeit, geraten war. Hatte er
von Anfang an das Ziel, einen letzten Unterbau philosophischen Argumentierens
in Evidenzerlebnissen, mithin in einem geradezu autistischen, transzendental
gedachten Ich-Bewußtsein zu finden, so mußte diese Reduktion, je mehr das
Verfahren der ›Epoché‹, der ›Einklammerung‹, alles Empirische ausschaltete,
zwangsläufig zu einer Aufhebung des empirischen Ich führen« (Schneider 1998:
69).
Hinzu kommt noch: Schon die bloße Annahme eines »Wesens« ist schon einer schlichten
Setzung geschuldet und höchst voraussetzungsvoll, sie lässt sodann überall »Wesen«
vermuten, orten und schließlich graduell das erschauen, was das unterstellte Axiom (»Wesen«)
– in Kopplung darüber hinaus mit der angelegten Methode – allein zu beobachten, zu sehen
erlaubt.19
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Mikrophysikalische Phänomene werden genau in diesem Sinne beobachtet: Sie erscheinen
je nach Beobachtungsweise als Partikel oder als Welle. Zudem machen ebendiese
mikrophysikalischen Phänomene die Annahme irgendeiner Wesenhaftigkeit höchst
zweifelhaft, da sie der Identitätslogik nicht folgen.
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Die Welt ist dann voller Wesenheiten oder zumindest ein Versprechen auf sie,
auch wenn sie im Opaken, im verborgen Dunklen noch oder auf immer bleiben.
Man kann an das »Wesen« nur glauben, beweisen lässt es sich nicht, denn die
Beweisführung ist dem Anfang: dem unbewiesenen Glauben an das »Wesen« geschuldet,
der alle weiteren Folgerungen und Beweisführungen schon vorzeichnet. Die
Wesensschau sitzt so der Paradoxie auf, dass sie das, was sie ergründen will,
voraussetzt und diese Voraussetzung den methodischen Gang konzipiert. Mit anderen
Worten: Am Anfang war der
Glaube, aus dem heraus die Welt differenziert –
unterschieden, bezeichnet wird, dabei wird die Welt (was immer sie auch sei) in das
eingeteilt, was sie ist (sein soll) und was sie scheinbar nicht ist und so als Ganzes
verletzt.
Selbst wenn man die Annahme einer transzendental zu erschließenden Wesenhaftigkeit
der Welt nicht völlig ausschließen will, so bleibt die Annahme, man könnte dem Wesen
einer Sache exklusiv durch Einklammerung und Reduktion näher kommen, eine für die
Beobachtung folgenreiche schlichte Unterstellung, denn sie gründet allein in dem
descartschen Prinzip des Zweifelns und Zerlegens (und einem (variierten) tradierten
Prinzip und so glaubensträchtigen, axiomatischen Vorurteil, das aber eigentlich und am
Rande erwähnt – gemäß der phänomenologischen Reduktion