- 50 -Lehmann, Silke: Bewegung und Sprache als Wege zum musikalischen Rhythmus 
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Sportunterricht sind die Lehrenden nach wie vor darauf angewiesen, ihre Beobachtungsgabe einzusetzen oder selber möglichst ideale Modelle zu geben. Genau so ist es im Musikunterricht.

4.4.4.  Ist Rhythmus lernbar?

Rhythmus als Merkmal von Bewegungsqualität ist also messbar. Eine Studie von Rieder, Balschbach und Payer (1991) setzt sich mit der Frage auseinander, ob Rhythmus auch erlernbar sei. Die Untersuchung geht von der Erkenntnis aus, dass ein gelungener Rhythmus die »Präzisionsleistung menschlicher Motorik« (ebd., S. 13) durchaus erhöhen kann. In zyklisch wiederholten Bewegungen führt beispielsweise die Vernachlässigung der Entspannungsphase zu einer schnelleren Ermüdbarkeit. Sprünge oder Würfe dagegen sind

[…] rhythmisch charakterisiert durch die Vorbereitung und Konzentration auf den leistungsentscheidenden Hauptimpuls. Ein zeitlich falsch gesetztes Kraftmaximum kann unmöglich eine optimale Bewegungsausführung bewirken. (ebd., S. 20).

Es stellte sich nun die Frage, wie sich ein spezielles rhythmisches Training auf das Bewegungsverhalten einer Gruppe von Probanden auswirken würde. Dabei beinhaltete eine so genannte allgemeine Rhythmusschulung rhythmisch-metrische Trommelübungen. Die Übungen begannen mit dem Schlagen des Metrums und führten über Gestaltung von Rhythmen durch Weglassen verabredeter Taktteile hin zu komplizierteren Rhythmen. Verschiedene Rhythmen sollten geschichtet, weiter gegeben und variiert werden. Vorgeübte Ostinati wurden zu vom Tonträger erklingenden Musikstücken ausgeführt. Untersuchungsgegenstand war die Auswirkung des rhythmischen Trainings auf den Schwung im Skilaufen als zyklischem Modell und den Aufschlag beim Tennis als azyklischem Beispiel (zu zyklischen bzw. azyklischen Bewegungen vgl. auch Abschnitt 4.4.3).

Neben den allgemeinen Übungen schlug eine spezifische Rhythmusschulung die Brücke zu den genannten Sportarten. Hierbei sollten typische Bewegungen einer bestimmten Sportart zu Musikrhythmen koordiniert oder als ›Schatten‹ rhythmische Bewegungen einer anderen Person möglichst simultan imitiert werden. Es zeigte sich, dass das Training zu deutlichen Verbesserungen im sportlichen Bewegungsverhalten beitrug, während die Kontrollgruppe ihre Leistungen nicht verbesserte. Interessant ist der Hinweis, dass sich das rhythmische Training auch positiv auf Bewegungen des Alltags auswirkten: hier profitierten besonders motorisch eher schwächere Personen.

Rhythmisches Training hilft, die Bewegungsqualität insgesamt zu verbessern.

Bewegungsrhythmus und psychische Befindlichkeit

Noch bemerkenswerter als die leistungssteigernde Wirkung eines rhythmischen Trainings ist die Auswirkung auf die psychische Dimension von Bewegung. Diese berührt zum einen die mentale Wahrnehmung und Verarbeitung, die für das Gelingen einer Handlung unerlässlich ist, zum anderen die emotionale Befindlichkeit im


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